Wissenschaft vs. Religion: Ist es vernünftig, an Gott zu glauben? (#05)

Shownotes

Ist Glaube nur ein vages Gefühl oder eine Form von Erkenntnis? In dieser Folge von Alles Glauben diskutieren Johanna Tannen und Prof. Felix Körner mit Rabbiner Dr. Mosche Baumel über die jüdische Perspektive auf die Vernunft. Baumel erläutert, warum es nach dem Gelehrten Maimonides sogar eine Pflicht ist, zu wissen, dass Gott existiert. Wir sprechen darüber, wie man Gott durch die Betrachtung der Natur und das Studium der Torah finden kann und warum der Zweifel im Judentum kein Hindernis, sondern ein Motor für inneres Wachstum ist..Ein Gespräch über das Staunen vor der Welt und die Weisheit jahrtausendealter Traditionen.

Dieser Podcast wird produziert von TLDR Studios.

Transkript anzeigen

00:00:24: Willkommen zu einer neuen Folge von Alles Glauben, dem Podcast über Religionen der keineswegs verlangt man sollte alles glauben.

00:00:35: Wir Professor Felix Körner Jesuit und Islamwissenschaftler und ich Johanna Tannen sind heute in Berlin und Boston und ich frage mal nach Berlin wie geht es Ihnen Prof.

00:00:49: Im Institut für Katholische Theologies gerade sehr gute Stimmung an der Humboldt-Universität, weil wir endlich wieder in unser angestammtes Gebäude eingezogen sind.

00:00:59: Wunderschöne Räume!

00:01:01: Lichtdurchflutete Vorlesungssäle und noch was besonders Tolles heute Abend werden wir nicht in diesen Räumen sondern im Theater sein mit Gerichtig große Gruppe über zwanzig studierende evangelische katholische muslimische Nicht religiös affiliierte Studis, wir gehen zusammen ins Theater.

00:01:24: Das Format haben wir getauft Theologischer Kultursallung und da bin ich jetzt sehr gespannt, dass so beginnt diese Veranstaltung heute Abend im Theater!

00:01:35: Aber wie geht es Ihnen als Katholikin in den USA zurzeit?

00:01:39: Wie geht's gut?

00:01:41: Ich halte hier die Stellung, nein Spaß!

00:01:44: Wie gehts sehr gut?

00:01:45: Ich finde ich mit einer guten Freundin, die ich tatsächlich aus dem Studium in Münster mal kennengelernt habe und die jetzt mit ihrer Familie hier in Boston wohnt.

00:01:57: Und wir waren zusammen sind wir im Newport.

00:02:00: das ist der Ort wo tatsächlich John F Kennedy seinen Sommer immer verbracht hat.

00:02:07: Sind wir zusammen ein halbmaler Ton gelaufen?

00:02:09: Das war richtig cool!

00:02:10: Es war sehr kalt weil es um sehr früh morgens war Aber es hat sehr viel Spaß gemacht und genau, wir hatten da eine gute Zeit.

00:02:21: Sie sind tapfer!

00:02:22: Ja, in Boston hat man so das Gefühl, dass es schon absolut verpflichtend ist irgendwie laufen zu gehen.

00:02:29: Weil man hat das Gefühl die ganze Stadt ist irgendwie im Marathon Fieber, so im Frühling und wir haben jetzt hiermit auch unsere Pflicht getan und haben das auch mal gemacht.

00:02:39: Und genau, das war sehr cool!

00:02:40: Aber wer eine Doktorarbeit schreibt wie sie, der trainiert sinnvollerweise im Marathon-Laufen denn da brauchen wir glaube ich so ein paar Tugenden beim Laufen, die wir beim Schreiben ebenfalls... gut anwenden kann, oder?

00:02:53: Genau.

00:02:54: Es hat vieles gemeinsam.

00:02:56: Ja heute wollen wir uns nochmal mit der Frage vom Verhältnis von Glaube und Vernunft befassen Und die Leitfrage des heutigen Podcasts ist Ist es vernünftig an Gott zu glauben?

00:03:14: Ja und darüber wollen wir mit Rabbiner Dr.

00:03:17: Mosche Baumüll sprechen.

00:03:22: Alles im Gespräch.

00:03:24: Dr.

00:03:24: Mosche Baumel ist Rosch-Beth Midrash des Rabiner Seminars zu Berlin, er leitet also die Ausbildung orthodox jüdischer Rabbis.

00:03:35: außerdem und eigentlich sogar hauptberuflich leitet er die jüdische Schule in Basel studiert hatte in Wien und zwar Geschichte judaistik und Religionsphilosophie.

00:03:49: anschließend hat er geforst Und zwar zur Entwicklung jüdischen Denkens in Berlin des neunzehnten Jahrhunderts.

00:03:56: Wie ging Orthodoxie und Aufklärung damals zusammen?

00:04:01: Rabiner Bauml ist für seine jüdische Gelehrsamkeit bekannt, aber er möchte lieber als einer der ein weiterer Suchender lernen.

00:04:11: Der ist bekannt sein.

00:04:13: Aber andere Leute sagen es halt so über sie, Rabiner Baumel!

00:04:20: Erfahrung im interreligiösen Dialog bekannt?

00:04:23: Genau, also herzlich willkommen.

00:04:25: Schön dass Sie heute da sind!

00:04:27: Wir freuen uns das wir hier für eine Stunde zusammen sind und uns austauschen können über die Leitfrage dieser Episode ist es vernünftig an Gott zu glauben?

00:04:42: Also gibt es eine Form von Wissen im Gegensatz zu vertrauen oder wie funktioniert das mit dem vernünftigen Glauben

00:04:50: Genau.

00:04:51: Also erstmal vielen Dank für das heutige Gespräch, ich freue mich sehr dabei zu sein und steig auch gleich ein.

00:05:00: Es ist natürlich immer eine Frage was man als Vernunft definiert.

00:05:06: Wenn wir vernünftig definieren als etwas, was sage ich mal?

00:05:10: Was logisch ist oder wo man selber drauf kommen kann und was man sicher weiß wie dem Glauben, wo man vielleicht so unsicher ist und mehr so das nicht nachweisen kann.

00:05:25: Wenn wir diese Begriffe so definieren dann würde ich sagen dass im Judentum Ist es nicht immer ein Widerspruch zwischen Glaubem und Vernunft.

00:05:39: Ich gebe Ihnen ein Beispiel einfach Das Gebot zu glauben Wie das definiert wird vom Maimonides Man ist verpflichtet an Gott zu glauben, sondern man ist verplichtet zu wissen das Gott existiert.

00:05:55: Und er benutzt hier bewusst den Begriff des Wissens weil er der Ansicht ist dass tatsächlich sowas wie Glaube wie wir das vielleicht definieren würden so eine Unsicherheit und Zweifel Dass das gar nicht korrekt ist wenn man das als Glaube definiert, sondern als jüdischer Mensch sollte man so viel sich Mühe geben in der Erfahrung der Welt und der Erfahrung des Torarstudiums bis man soviel weiß dass man sagt ich weiss das Gott existiert.

00:06:32: Und ich bin mir sicher dass das so ist und aus diesem Grund ist auch die Frage nach der Vernunft hier.

00:06:39: Es ist auch genauso, es ist tatsächlich vernünftig aus Sicht der Torah an Gott zu glauben.

00:06:46: Weil man zu einem großen Teil auch selber durch logisches Nachgrübeln Gott finden kann aus der Sicht des Judentums und ein Beispiel dafür ist Abraham.

00:06:57: Abraham hatte keine Torah er hat auch kein Lehrer aber die weisen im Talmud sagen dass Abraham allein durch die Betrachtung der Welt es als logisch befunden hat, dass das einen Schöpfer geben muss.

00:07:14: Der einmal diese Welt geschaffen hat und sie auch immer noch leitet.

00:07:19: also von daher ist es kein Widerspruch Glaube und Vernunft sondern Es ist sehr vernünftig zu glauben.

00:07:28: Sie meinten Maimonides hat gesagt, verpflichtet zu wissen das Gott existiert.

00:07:33: Das finde ich eigentlich wirklich eine spannende Satz die erst mal kurz ein bisschen sagt lassen musste und wollte jetzt nochmal fragen weil es kann ja bedeuten Ich weiß etwas über Gott.

00:07:45: das heißt aber noch nicht also ich weiß dass es Gott existierte oder auch andere Menschen meinen es existiert Gott.

00:07:51: das müsste ich ja irgendwie auch akzeptieren dass Menschen diesen Glauben haben.

00:07:56: Oder heißt das Ich weiß, dass Gott existiert.

00:08:00: Also ich habe das Wissen und ich bin aber auch in einer personalen Beziehung zu Gott.

00:08:08: Wie meint Marmonides das genau?

00:08:10: Das finde ich mal ganz spannend, wenn Sie da doch mal kurz das ja deuten könnten!

00:08:17: Ja also Marmonide ist, wenn er sagt ein Mensch ist verpflichtet zu wissen, dass God existiert.

00:08:23: es ist eigentlich einen Auftrag an den Menschen Gott, Gottes Offenbarung zu erfahren wie er sich offenbart und da gibt es verschiedene Möglichkeiten dazu.

00:08:35: Also zum einen ist das die Betrachtung der Natur, der Naturwissenschaft.

00:08:40: D.h.,

00:08:40: der Rambam, der Maimonides war er selber ein Wissenschaftler, ein Philosoph im breiteren Sinne und er hat, er war da fest in Ansicht dass man kann in der Natur-Wissenschaft Gott erkennen d.h.

00:08:53: wenn du ihn Dort wirst du wissen, dass er sich da offenbart hat.

00:08:59: Oder durch das Studium der Torah, die Werte, die Gott in der Torah ausgesprochen hat, belegt sich der Mensch und es macht für ihn Sinn?

00:09:13: Dann sagt er, das ist auch eine Form der Offenbarung!

00:09:16: oder es gibt die Form der Verwahrung des Gebetes, also dass der Mensch mit Gott kommuniziert.

00:09:21: Es sind alle verschiedene Formen wie sich Gott offenbart und durch diese Offenbarungsformen weißt dann der Mensch ich habe eine Beziehung mit Gott sei es empirisch das ich die Welt betrachte, sei ich durch Nachdenken durch die Torah oder sei es durch das Gebet?

00:09:39: Also für Maimonides sagt das Gebet auch nie einspurig.

00:09:43: Das heißt der Mensch, wenn er arbeitet an seinem Gebet dann ist es nicht nur dass er spricht und Gott hört zu sondern dass er auch ein Gefühl entwickelt, dass er spürt, dass Gott ihm zuhört.

00:09:54: Es geht in zwei Richtungen.

00:09:56: Er spricht zu Gott und Gott gibt ihm das Gefühl , dass er ihn zuhörte.

00:10:00: Und das bedarf einer Arbeit.

00:10:02: und der Maimonides erklärt doch, wie man betet oder wie man dazu kommt.

00:10:06: Das ist ein Auftrag eigentlich, dass Wissen des Gott existiert und nicht einfach ein momentaler Zustand.

00:10:14: Wir wollen nämlich auch gerne ein bisschen besser verstehen, wie es bei Ihnen war.

00:10:18: Gab's eine Zeit in der Ihr Verstand sich gegen Ihren Glauben gewährt hat?

00:10:24: Also können Sie sich da an konkrete Fragen Konflikte erinnern.

00:10:31: Wie sind Sie damals damit umgegangen, gesucht, gezweifelt, entschieden?

00:10:37: Hat sich da was verändert.

00:10:38: Da wollen wir gerne mal so ein bisschen was Biografisches von Ihnen erfahren.

00:10:43: Ja gut also zunächst einmal ich bin ja jüdisch traditionell aufgewachsen.

00:10:51: das bedeutet meine Eltern haben jetzt nicht alle Gesetze der Toreim detaill beachtet und ich habe als Jugendlicher eigentlich selber den Weg zur Geburtsausübung im Judentum gefunden.

00:11:12: Und von daher sage ich mal... Das ist

00:11:14: so, wie das kam?

00:11:15: Ja ja!

00:11:17: Also ich weiß es noch.

00:11:21: Es lag wirklich auch daran, dass... Also ich war immer ein Mensch der viel nachfragt und hinterfragt.

00:11:29: Und ich hatte einfach das Gefühl, dass was die schulische Bildung mir damals geboten hat, war einfach sehr oberflächlich.

00:11:39: War zwar eine jüdische Schule aber ne ober- flächliche jüdischen Schule oder...?

00:11:43: Ja, das war eine jüdische Schule.

00:11:45: Es gab jüdischen Religionsunterricht aber es ist nicht in dem Sinne eine religiöse jüdliche Schule.

00:11:51: also sie hat so jüdischer Geschichte vermittelt und so ein bisschen die Gesetze über die Feiertage.

00:11:56: Aber es ging auch nicht in die Tiefe Und ich habe einfach das Gefühl gehabt dass viele Dinge die mich als junglicher so beschäftigen zum Beispiel Gerechtigkeit, warum Leidenmenschen, warum es andere Menschen gut geht.

00:12:12: Historische Dinge spezifisch beim jüdischen Volk über die ganze Leidensgeschichte Israels, über die Schöpfung – also solche ganz grundsätzliche Fragen und ich habe nicht das Gefühl gehabt meine Lehrer in der Schule oder die Literatur, die mir damals geboten worden ist.

00:12:32: Ob das sie wirklich alles richtig beantwortet?

00:12:35: Und aber durch den Studium der Torah und durch die Auseinandersetzung mit der talmudischen Literatur habe ich sehr viele Fragen, die ich gehabt habe lösen können.

00:12:46: jetzt Aber um ihre Frage konkret zu beantworten natürlich in diesem Prozess des religiöser Werdens hat man natürlich auch viele Fragen und weiterhin ist nicht alles klar.

00:13:02: Ich sehe immer, dass Fragen eigentlich als etwas unglaublich Positives, weil jede Frage fordert ein weiteres Forschen heraus.

00:13:13: Man erhofft sich dann eine Antwort und wächst dadurch, erfährt dadurch mehr.

00:13:19: Deswegen denke ich, das Zweifel sind etwas was einen Menschen wachsen lassen Und so habe ich... also durchgab es im Leben Zweifel.

00:13:28: Das

00:13:29: glaube ich gut nachvollziehen, sehr spannend!

00:13:32: Also sicher gab's Zweifeln auch beim Glauben warum das jetzt so mit mir passiert und ich hab mir das doch anders gewünscht.

00:13:41: aber dann sagt man sich okay das musste so sein und das hat sicher einen guten Grund.

00:13:45: und irgendwann merkt man auch dass wie sich danach das Leben entwickelt hat war wirklich ist gut.

00:13:52: Also im Nachhinein erkennt man noch oft, dass der Zweifel, den man gehabt hat, sich jetzt eigentlich aufgelöst.

00:13:59: Ich habe immer im Zweifl eine Chance gesehen weiter zu überlegen und voranzuschreiten und nicht alles zu hinterfragen.

00:14:08: Und ich sage, ich sehe mich als Mensch auch viel zu klein nur weil mir etwas passiert was ich nicht so einordnen kann das ich sogleich die Religion als ganze in Frage stelle.

00:14:20: war eigentlich dieses Talmud-Studium etwas völlig autodidaktisches.

00:14:27: Sie haben es alleine gemacht oder hatten sie da auch ein Lehrer, eine ganze Gruppe von Lehrern die sich dann angeleitet und vielleicht sogar auch erst richtig begeistert haben?

00:14:37: Oder waren sie eigentlich jemand der sagte ich mit den Büchern entdecke das Richtige und beantwortet mir meine Fragen?

00:14:48: Genau also Talmud-Studium an sich braucht eine Gruppe von Leuten.

00:14:54: Also wenn man jetzt alleine den Talmud nehmen würde und alleine studieren würde, ist schwer!

00:15:00: Es braucht den Austausch mit anderen Studenten es braucht das Gespräch, es braucht ein Lehrer.

00:15:06: also der Talmud selbst sogar mit den Kommentaren die existieren weiß sehr viele Lücken auf die nur durch einen Lehrer gefüllt werden können.

00:15:15: Also es ist also gar nicht Auto, die dagt, sondern wirklich ich besuchte Vorträge zum Talmutunterricht und konnte mich so in einer Gruppe von Lernenden in den Diskurs einbinden.

00:15:28: Ja verstanden, sehr schön!

00:15:30: Und jetzt schauen wir mal von den jüdischen Wissenschaften bisschen in die Breite...

00:15:37: Genau, also In der Gegenwart ist es ja so, dass viele Wissenschaften ohne den Gottesgedanken mit dem wir uns aus unterschiedlichen Perspektiven beschäftigen.

00:15:48: Die kommen ja gut ohne den Gott des Gedanken aus.

00:15:50: also zum Beispiel die Biologie, die Physik aber auch philosophische Ethik kann es ohne Gott und versucht das auch ohne Gott.

00:15:59: Und deswegen die Frage welche Fragen beantwortet denn überhaupt noch Gott oder der Gedanke?

00:16:09: Also ich bin eigentlich davon überzeugt, dass die Wissenschaft Grenzen hat.

00:16:17: Grenzen hat in dem was sie erklären können und wollen.

00:16:22: Und ich glaube der Glaube an Gott oder das Wissen über Gott beginnt dann wo die Grenzen der Wissenschaft aufhören.

00:16:30: Natürlich diese Grenzen verschieben sich einfach.

00:16:33: im Mittelalter weiß man weniger Also ist die Grenze woanders.

00:16:37: Heute weiß man mehr, also ist die grenze wiederum verschoben.

00:16:41: einfach nur das als Beispiel zu geben.

00:16:42: ich meine die Wissenschaft kann zum beispiel erklären jetzt das kleinste Teilchen in der Quantenphysik.

00:16:50: aber sie können nicht sagen ja warum gibt es zb dieses Teilchen?

00:16:54: oder wie weit geht dieses Teilche?

00:16:59: Warum kam dieses Teilchen so wie es ist?

00:17:02: Warum muss das ein Elektroner, Neutroner im Proton geben.

00:17:06: Es gibt verschiedene Fragen die entweder irrelevant für die Wissenschaft sind oder die Wissenschaft diese Frage einfach noch nicht beantworten konnte.

00:17:14: und ich glaube in dem Moment wo man immer weiter grübelt und weiter schaut und tiefer in die Materie eindringt dann sagt man okay letztendlich muss es hier einen Schöpfer geben.

00:17:26: für mich die logische Schlussfolgerung.

00:17:28: Ich weiß, dass viele Menschen dir diese Schlussfolgarung nicht teilen!

00:17:33: Aber die haben dann vielleicht auch keine anderen Erklärungen außer das alles Zufall war?

00:17:38: Ja ich habe da immer so ein Bild im Kopf, das hatte ich mal in meinem Rally-Unterricht wurde mir das mal erzählt und zwar wenn man sich eine Kette vorstellt oder Perlenkette und jede Perle also so Perlkette als Bild von kausal zusammenhängen Und dann ist sozusagen eigentlich die Gottesfrage, die Frage warum ist diese Kette da und warum wurde sie so aufgezogen.

00:18:00: Das war damals zumindest ein sehr gutes Bild dafür.

00:18:05: was ich jetzt meine Verstärkung und das was Sie damit sagen wollten.

00:18:11: Ich wollte nur fragen, könnte es da nicht die Tendenz geben oder die Gefahr dass man sozusagen Gott auch so ein bisschen als immer dann ins Spiel kommt wenn wir halt nicht wissen also wenn unser Wissen sozusagen noch nicht diese Zusammenhänge erforscht hat weil wir ja schon auch merken okay das Wissen entwickelt sich weiter.

00:18:33: Nicht dass Gott sozusagen einen Lückenbüßer wird den man immer dann rausholt wenn man gerade nicht weiter weiß.

00:18:39: verstehen Sie was ich meine?

00:18:41: Ja, das verstehe ich.

00:18:43: Wobei ich glaube in dem Moment sagen wir mal die Wissenschaft kommt eine gewisse Grenze und dann wie Sie sagen man füllt dann die Lücke weil man keine weitere Antwort hat mit Gott.

00:18:54: aber ich glaube es wird nicht nur dann eine Lücke gefüllt sondern rückwirkend sagt man dass alles was sich vorher erklärt habe die ganzen wissenschaftlichen Erkenntnisse sind erfüllt von dieser tiefen Weisheit sondern die füllt eigentlich alle Erkenntnisse, die ich vorher gehabt habe.

00:19:12: Also gebe mir ein Beispiel in dem Salmen heißt das Morabuma Asseko Hashem wie groß sind deine Werke Gott?

00:19:19: Also hier haben wir einerseits die Werke also die Schöpfung oder was die Wissenschaft erklärt und wir haben auch eine Wertung Rabu diesen Groß.

00:19:29: Und ich glaube sobald man in der Tiefe die Erklärung hat dann wertschätzt man auch die Erkenntnisse der Wissenschaft ganz anders ein.

00:19:38: Dann ist einfach nicht nur ein Atom einfach existent, sondern es ist eine wunderbare Sache.

00:19:45: Man wertet das und man schätzt das!

00:19:48: Das ist ne schöner Art des zu denken.

00:19:51: Sie sagen vielleicht dann der Naturwissenschaftler, der sagt wieso ist das jetzt hier so geschehen?

00:19:59: Was ist da die zugrunde liegende Ursache oder welche Regelmäßigkeit können wir da beobachten?

00:20:04: Und der religiöse Mensch die selbe Person sein kann, wie der Naturwissenschaftler.

00:20:11: Der staunt und stellt die ganz große Frage.

00:20:15: Ist das so ein bisschen das was Sie da gerade angedeutet haben mit dem Salmen Zittal?

00:20:22: Ja ja genau!

00:20:24: Und wenn er dann zur Erkenntnis kommt dass es alles Teil einer Schöpfung ist für ihn die Wissenschaft eine riesengroße Sache Eine unglaublich beeindruckende Sache.

00:20:37: Dann würde ich Sie tatsächlich jetzt nochmal ein bisschen was fragen über das spezifische Jüdische.

00:20:44: Wenn wir nicht Juden und Juden uns mit der jüdischen Tradition beschäftigen versuchen, mich nahezu verstehen dann muss zumindest ich sagen Das leuchtet mir oft nicht so ganz ein welcher Art von Begründungen da gegeben werden dass sie studieren das sicher täglich haben vielleicht auch den Eindruck, dass die alltägliche Vernunft, die wir sonst kennen der Vernunft ihrer Tradition nicht richtig entspricht.

00:21:27: Würden Sie auch sagen das ist eine andere Form des Denkens?

00:21:34: Wenn nämlich das der Fall ist dann würde es mich interessieren ob sie sagen alltägliche von dem traditionell jüdischen Denken Impuls bekommen kann, auch wenn man selber kein Jury ist.

00:21:53: Tatsächlich ist es so dass das talmudische Denken ein System ist.

00:21:59: Ein System mit Regeln, mit hermeneutischen Regeln und wie man gewisse Verse lesen kann

00:22:08: usw.,

00:22:11: Was nicht mit Versen zu tun hat, mit Sachen die die Rabbiner festlegen.

00:22:17: Und es ist ja so dass das genauso wie wenn wir die historische Wissenschaft nehmen und wir würden die Regeln der historischen wissenschaftlichen Forschung in der Naturwissenschaft anwenden, dann würden wir vielleicht auch gewisse Dinge nicht Schluss folgern können.

00:22:36: Umgekehrt auch nicht!

00:22:38: Ja das heißt es ist ein System mit Regeln die da existieren und ich glaube diese Regeln anzueignen das Bedarfzeit und das Bedarf eines Studiums dieser Literatur.

00:22:53: Und dann sieht man auch die Welt wiederum durch das Prisma dieser Regeln, also zum Beispiel ein Talmudist betrachtet auch die der Welt des Alltäglichen was sie gesagt haben aus seiner Perspektive.

00:23:16: Das sind da Fragen und vielen Möglichkeiten.

00:23:20: Und der vielen möglichen Antworten, die es hat... Also das ist so dass vielleicht die talmudische Logik... Mir schwer zu sagen weil ich betrachte subjektiv nicht objektiv aber wenn ich subjektive die Welt betracht mit den Regeln, die ich aus dem Talmudstudium kenne dann sehe ich eine Welt oder ein Alltag eine Vielfalt an Varianten gibt, wie ich Menschen interpretieren kann.

00:23:49: Wie ich Situationen interpretieren und Handlungen interpretiere.

00:23:53: Ich glaube das stammt aus dem Talmud-Studium.

00:23:57: Das hört sich als richtig aufregend an.

00:24:02: Fällt Ihnen ein Beispiel ein?

00:24:04: Also jetzt haben Sie gerade zum Beispiel gesagt... Ich kann damit Menschen auch anders sehen, wenn ich es richtig verstanden habe.

00:24:13: Ich kann Menschen damit auch anders einschätzen.

00:24:19: Können Sie dazu noch ein bisschen was genauer sagen, dass wir uns besser vorstellen können?

00:24:24: Ja klar also wenn man jeden Tag Talmut studiert ist man daran gewöhnt einen Text zu sehen wo verschiedene Ansichten auf denselben Fers zum Beispiel geäußert werden.

00:24:37: Und dann denkt man darüber nach, wieso sagt er so und er so... Wenn man damit Menschen zu tun hat im Alltag Dann von vornherein ist man wie vorprogrammiert, wie vorbereitet sich zurückzulehnen und zu sagen Schau ich habe hier drei vier verschiedene Ansichten.

00:24:54: Und bevor ich meine Meinung irgendwie durchpusche oder gar nicht mal die anderen anhöre dann bin ich automatisch viel offener auf den Dialog.

00:25:05: Also automatisch merke ich, dass das Ohr hat etwas gesagt und ich will das nachvollziehen.

00:25:12: Ich will das mehr verstehen.

00:25:13: Ich werde es mehr fragen was meinst du denn genau?

00:25:16: Da ist man mehr dran Dinge aus verschiedenen Seiten verstehen zu wollen.

00:25:23: Man kann sich besser in andere hineindenken weil man ständig diese unterschiedlichen Stimmen verarbeitet.

00:25:32: Kann man das so sagen?

00:25:33: Ja, auf jeden Fall.

00:25:35: Wenn ich die angehenden Rabbiner unterrichte ist ein Teil des Rabbinats auch die Seelsorge und da ist natürlich das extrem wichtig dass sich einfühlen in die Seite der Person die gerade die seelsorge sucht und sein oder ihre Perspektive zu verstehen und nachzuvollziehen.

00:25:54: Und ich glaube wenn man da wie so geübt ist in dem Allein durch das Studium, das Tal, wo durch dieses System da ist, ist es hilfreich auch im Alltag.

00:26:06: Ist das eine Art von vielleicht schon zu unentschiedener Toleranz?

00:26:14: Es gibt ja noch diese Witze der hat Recht und er hat recht.

00:26:19: oder gibt's dann auch von Seiten des Rabbiners manchmal ne klare Ansage nein!

00:26:27: Ja, das ist eine sehr gute Frage.

00:26:30: Ich sag mal so... Sie haben recht und ich hab Recht!

00:26:41: Was ich sage, sagen wir mehrere Ansichten aber wir müssen ja letztendlich eine Entscheidung treffen.

00:26:49: Irgendwas muss hier entschieden werden.

00:26:53: Und wenn dann etwas entschieden wird oder es gibt wie eine klare Linie, das muss so getan werden.

00:27:00: Wenn man diese Linie dann folgt heißt es nicht dass die anderen im Unrecht waren sondern als einfach man hat sich für die beste Option in dieser Situation entschieden aber die Anderen behalten weiter ihre Gültigkeit.

00:27:16: Das Eine schließt nie das andere aus.

00:27:20: Aber frage ich nochmal Es gibt auch Meinungen, die wirklich grundfalsch sind und die Notwendigkeit bei bestimmten Handlungsoptionen.

00:27:34: Nein zu sagen oder?

00:27:37: Auf jeden Fall auf jeden fall das ist so aber nur in dieser Situation und diesem Kontext.

00:27:42: Das heißt es gibt Es gibt nie eine handlung Die im Grunde genommen Hundert prozent falsch sein kann Sondern sie kann nur falsch sein in diesem kontext in der sie gerade gehandhabt wird.

00:27:57: Aber etwas Absolutes, das Einzige was absolut ist im Judentum ist Gott.

00:28:02: Sonst ist nichts anderes absolut.

00:28:06: Vor allem kein Nein, na wie schön!

00:28:09: Jetzt haben Sie schon angedeutet Ihre Erfahrung als Lehrer von werdenden Rabbinern.

00:28:19: Sie sind ja aber auch Lehrer von Schülerinnen und Schülern in der jüdischen Schule.

00:28:25: Da würden wir gerne noch was von Ihnen erfahren.

00:28:29: Also eine Frage, die so ein bisschen auch auf Ihre Erfahrung abzielt und zwar jetzt im Gespräch mit jungen Menschen oder auch in der Seelsorge mit jengen Menschen aus Ihrer Gemeinde.

00:28:42: Wie beobachten Sie das?

00:28:43: Oder erfahren sie dass?

00:28:46: zählen da jetzt Vernunft Argumente besonders viel in so einem Glaubensprozess bei einem jungen oder ist es eigentlich gar nicht so relevant, wie... ja.

00:28:59: Wie ist da ihr Erfahrungswert wenn Sie junge Menschen begleiten?

00:29:06: Also ich glaube das Schlüssel im Prinzip zu jedem Menschen ist seine Emotion.

00:29:13: Das heißt sei es junge Menschen, sei es ältere Menschen spielt eigentlich keine Rolle.

00:29:19: Wenn die Leute sich aufgehoben und wohl in einer Gemeinschaft fühlen, sei es eine Gemeinsschaft eines kleinen Unterrichts oder einer Gemeinde.

00:29:31: Dann ist das der Moment wo man auch Glaubensinhalte vermitteln kann.

00:29:40: aber sobald es keine emotionale Bindung gibt dann helfen die besten Argumente nicht viel.

00:29:48: Ja und das ist meine Erfahrung, dass also auch Sonders mit Jugendlichen die noch vielleicht mehr Emotionen brauchen.

00:29:55: Dass sobald man auf einer emotionalen Ebene sie erreicht hat dann sind sie auch bereit mehr über Glaube zu lernen.

00:30:04: Das finde ich total interessant, dass Sie das sagen!

00:30:06: Also ein schöner Satz der Schlüssel ist die Emotion weil das ja eigentlich auch so bisschen dann erstmal zeigt, okay es geht erst mal darum dass ein Mensch sich ja angenommen fühlt.

00:30:19: So wie er ist und dann kann er sich sozusagen auch diesem ganzen Wissensschatz vielleicht erst so richtig öffnen oder so richtig zuhören.

00:30:25: was liegt da eigentlich drin?

00:30:27: Und auch wenn er das Gefühl hat vielleicht auch, weil diese Vielfalt der Perspektiven so konstitut... ist in einem Teilmut Studium.

00:30:36: also habe ich jetzt gerade verstanden, dass sozusagen er auch oder sie schon sehr stark das Gefühl benötigt.

00:30:42: Ich will meine Perspektive kommen hier vor um dann sich dem Wissenschatz zu nähern.

00:30:49: Ja genau, genauso ist

00:30:50: es.

00:30:51: Herr Prof.

00:30:51: Kahnert Sie hatten auch noch eine Frage?

00:30:54: Also ich wollte nur nochmal fragen heißt das eigentlich die Argumente sind was nachträgliches dieses Gefühl, ich möchte dazu gehören.

00:31:08: Die Freude an der Gemeinschaft bewirkt eigentlich die Entscheidung schon und die Argumente sind dann nur um meine eigenen Fragen weiter nachher zu beantworten und die Fragen von anderen Menschen also dass man eigentlich zum Glauben nicht durch die Vernunftgründe kommt sondern Gemeinschaftsempfindung und das Begründungsgeschehen eigentlich dann nur nachträglich Eintritt ist.

00:31:43: Ist es Ihre Erfahrung oder auch Ihr

00:31:46: Leer Prinzip?

00:31:47: Ja, genau!

00:31:49: Es ist definitiv meine Erfahrung und es ist auch also meine Erfahrung in verschiedenen... Also ich war selber knapp zehn Jahre Rabbine einer Gemeinde vor zwei Jahren in die Pädagogik gewechselt.

00:32:05: Also, von daher kann ich sagen aus der Gemeindearbeit, aus der schulischen Arbeit sehe ich dass die meisten sag' ich mal Verbindungen zu Menschen geschaffen worden sind auch auf intellektueller Basis wenn die Emotion gestimmt hat und ähm... Ich seh das ja bei Lehrern in der Schule Die erfolgreichsten Lehrer sind nicht diejenigen die das meiste Wissen haben Sondern die erfolgreichsten Lehrer bei uns zumindest in der Schule sind diejenigen, die die Kinder emotional erreichen.

00:32:36: Und daran erinnern sich am Ende auch die Kinder, wenn man sich an jedes Detail der Schulzeit erinnert.

00:32:40: aber sie wissen mit dem habe ich es wirklich gut gehabt.

00:32:43: Der war wirklich lustig oder der war wirklich nett.

00:32:45: und also all diese Begriffe der Emotion da ist etwas was uns hilft zu lernen.

00:32:56: Das sind ja sehr spannend.

00:32:57: Genau das braucht eine gute Atmosphäre.

00:33:01: Sonst kann auch kein Neuerkenntnis wirklich die Schülerinnen und Schüler so erreichen.

00:33:10: Dann ist es eben keine Erkenntnis, sondern nur eingetrichtert, denke ich.

00:33:15: Also Ravina Baumel wir wollen sie ja nicht nur hier ausquetschen und von ihnen da alles hören was uns selber interessiert, sondern wir wollen ja dass das auch ein Gespräch ist keine Einbahnstraße, deswegen gerne wenn Sie uns was fragen wollen sind wir gespannt auf Ihre Fragen und zittern ob wer sie diese Fragen dann auch wirklich beantworten können.

00:33:43: Was fällt Ihnen denn ein oder verschontet?

00:33:47: Ja also mich würde zum Beispiel interessieren das Spannungsfeld zwischen Kirche als eigentlich mal geistliche Obrigkeit und den persönlichen Glauben des Menschen.

00:34:04: Ob es damals so zu widersprüchen kommen kann, wo der Mensch sagen kann, aber ich möchte das so glauben.

00:34:11: oder muss der Mensch so glauben wie das die Kirche vorgibt?

00:34:16: Oder gibt überhaupt die Kirch hervor, wie man zu glauben hat?

00:34:19: Ja also das würde ich schon sagen.

00:34:21: Also sie sagt eben gerade die Katholische Kirche, sagt schon katholisch zu leben und katholisch zu glauben, sieht folgendermaßen aus.

00:34:35: Nur wie geht man damit um?

00:34:37: Ich sage es erstmal von mir persönlich ich höre und lese was die Kirche da vorliegt schon mit einem Wohlwollen.

00:34:47: aber ich merke auch manchmal liebe Kirche was du doch eigentlich immer vermitteln willst ist diese herausfordernde und befreiende Weisheit, die durch das Evangelium.

00:35:05: Also die frohe Botschaft, die in der Heiligen Schrift bezeugt ist uns geschenkt wird.

00:35:10: und wenn du liebe Kirche an manchen Stellen diese Freude des Evangeliums In deiner Lehre und in deinem Leben nicht vermittelt dann würde ich auch sagen also das verpflichtet auch die Menschen dazu sagen, liebe Kirche ich gehöre zu dir aber da müssen wir uns gemeinsam noch weiterentwickeln.

00:35:34: Ja also wie zum Beispiel der Papst Franziskus, der selber dieses Wort ja auch geprägt hat von der Freude des Evangeliums das war sein erstes großes Schreiben.

00:35:43: Der hat dann im Laufe der Zeit gesagt dass was in dem Buch der katholischen Lehre steht im Katichismus es muss an manchen Stellen noch weiter entwickelt werden und Dann steht zb seit Papst Fransiskus in diesem Buch, das halt nie feststeht jetzt auch drin.

00:36:02: Todesstrafe wird grundsätzlich abgelehnt.

00:36:05: vorher gab so Einschränkungen ja sollte man nicht und jetzt nein gehört nicht zum katholischen Glauben im Gegenteil zur Katholischen Morallehre gehört die Ablehnung der Todesstrafe.

00:36:18: also da müssen wir einfach die Kirche nicht als unser Gegenüber sehen sondern als eine Gemeinschaft Mir natürlich etwas sagt, aber zu der ich genauso sprechen kann weil ich dazugehöre.

00:36:35: Ja das würde ich auch so sehen.

00:36:36: also ich sehe die Kirche jetzt auch nicht als Gegenüber zu dem Ich mich verhalten muss als Katholiken oder auch als Theologen sondern ich bin ja Teil der Kirche.

00:36:47: Also ich finde was sagen dass Einzigartig ist katholisch zu sein, dass man eben ein Teil dieser Gemeinschaft ist und diese Gemeinsschaft eine große Vielfalt auszeichnet.

00:37:02: Die sich durch die Zeit also bewahrt und gleichzeitig aber auch viel gestaltig entwickelt.

00:37:09: Und ich glaube in dieser Spannung steht man sozusagen ein bisschen als Katholik, dass man so das Gefühl hat, ah das ist ja so starr oder man könnte vielleicht auch von außen das Gefühl haben es ist eine sehr starre Institution.

00:37:20: Ich würde es gar nicht so sehen weil wenn man sich dann näher mit dieser Institution und auch mit der katholischen Kirche beschäftigt dann sieht man auch das.

00:37:28: sozusagen gibt, also auch eine starke Entwicklung die gar nicht jetzt irgendwie als große Gefahr gesehen werden muss sondern eigentlich als Bereicherung.

00:37:42: Als die Fähigkeit sich sozusagen in der Gegenwart zu aktualisieren und auf die Sorgen- und Nöte der Katholikinnen und Katholiken aber auch sozusagen der Welt einzugehen und damit im Dialog und Gespräch zu sein was nun mal bedeutet dass da ne Wechselwirkung entsteht und deswegen auch sich etwas entwickelt.

00:38:02: Und es gibt so ein Begriffding, also man kann sich vielleicht so vorstellen als wenn man irgendwie getauft ist.

00:38:11: Ist man sozusagen eigentlich Teil von dieser Bewegung und von daher ist Kirche für mich jetzt nicht so ein Statist gegenüber der Gegend was da irgendwelche Lehrtexte veröffentlicht.

00:38:26: sondern ich bin Teil davon und kann das ja auch mit gestalten.

00:38:32: Also

00:38:33: gerne mal Raby Bauml gefragt, leuchtet Ihnen das ein oder würden Sie da sogar sagen?

00:38:41: Kann ich gar nicht nachvollziehen oder so?

00:38:44: Doch es ist sehr verständlich.

00:38:45: doch also ich finde dass ja das fand ich noch sehr gut dass man die Teil der Gemeinde sind sie auch mitgestaltet habe ich richtig verstanden.

00:38:59: Wir haben auch die Aufgabe, rückzumelden wo die Lehre, die so im Moment formuliert wird nicht mehr oder noch nicht der freudigen Fülle des Evangeliums entspricht.

00:39:12: ja also das geht dann nicht nur auf die Gemeinde wie ich jetzt vor Ort die Kirche lebe und mich da engagiere sondern auch darum dass wir sagen Liebe große weltweite Gemeinschaft.

00:39:27: Das und das kann man doch noch besser, um Jesus gemäßer leben und

00:39:36: lehren.".

00:39:38: Und ich glaube auch gerade gibt es ja auch einen großen Betonung des Prinzipes Synodalität also wirklich auch den Glaubenssinn der Gläubigen ernst zu nehmen.

00:39:48: und jetzt wird mehr darüber nachgedacht in welchen Strukturen kann man ihn eigentlich noch besser artikulieren?

00:39:54: und sozusagen mehr hören.

00:39:56: Und da versuchen wir gerade in der katholischen Kirche zu schauen, wie können wir eigentlich den Glaubenssinn der Gläubigen von allen Katholiken auch wirklich einen Resonanzraumkirche geben?

00:40:10: Dass die da alle irgendwie vorkommen!

00:40:13: Genau das hat Papst Franziskus begonnen und dieser Prozess ist jetzt im Gange.

00:40:18: Das ist ja auch ganz interessant dass man das weltweit tut.

00:40:22: Auch eine große Aufgabe Aber ich glaube, das lohnt sich.

00:40:26: Okay.

00:40:28: Barmel, wollen Sie noch was anderes fragen?

00:40:31: Gern los!

00:40:34: Noch eine Frage und das beschäftigt mich auch als jüdischen Menschen ist so die Entwicklung der westlichen Welt Richtung einer Art extremen Secularismus.

00:40:50: Und einerseits... Aber andererseits hat diese säkulare westliche Welt schon viele Werte, die sie als eigene Werte bezeichnet.

00:41:05: Ich habe jetzt zehn Gebote als Beispiel, die sich in den Zehn Geboten wiederfinden.

00:41:11: und was mich aber sehr stört persönlich ist dass man so tut, als hätte man all diese Werte selber erfunden vor hundertfünfzig Jahren und streitet irgendwie jegliche Verbindung zu einem religiösen Hintergrund ab, sodass man so ganz klar trennt zwischen religiös und säkular.

00:41:33: Aber im Prinzip wenn viele Werte der säkularen Gesellschaft ihren religiosen Kern haben aus der Bibel heraus dann müssten ja viele sekolare Menschen eigentlich religiös denken in dem Sinne, außer dass sie einfach vielleicht Gott ausklammern.

00:41:48: Aber das Wertesystem an sich ist ein religiöses und ich frage mich dann einfach wie Sie als Kirche oder als Katholiken umgehen mit so Menschen die dann sagen nein es sind unsere neuen modernen Werte und man lädt dann eigentlich den Ursprung ab.

00:42:05: Das ist wie eine Art ja eigentlich nicht redliche Geschichtswiedergabe auf eine gewisse Art und Weise, wenn ich das jetzt so leicht werten kann.

00:42:17: Ja

00:42:17: okay, also ich muss sagen, ich stimme nicht ganz mit ihrer Geschichte der westlichen Werte überein, weil die zehn Gebote sind ja doch nun so grundlegend und allgemein dass man das was in den zehn geboten gesagt ist eigentlich jeder Weltgesellschaft irgendwie auch findet.

00:42:42: Du sollst nicht töten, du sollst nichts stehlen.

00:42:45: was uns als westliche Gesellschaften ausmacht kann man in unseren heiligen Schriften jüdischer muslimischer und christlicherseits sicher auch finden.

00:43:00: aber ich würde eher sagen das kann man auch im lichte dessen westlichen Welt der letzten Jahrhunderte geschehen ist, erst so deutlich erkennen.

00:43:12: Also diese dienende demütige andere Anerkennende suche nach einem gemeinsamen Weg also dieses wirklich auch warmherzige was über meinen eigenen Egoismus hinausgeht.

00:43:35: das kann man jetzt in den zehn Geboten.

00:43:38: meint sie achten es noch nicht so finden, in unseren Traditionen schon.

00:43:42: Aber also ich glaube das ist da immer einen Austausch gegeben hat dass Menschen die Religionen hier auch besonders im Westen oft zu Recht kritisiert haben und Fragen gestellt haben und Herausforderungen dargestellt haben aus denen wir weiter lernen mussten.

00:44:03: und so ist es eigentlich nicht Wir hatten's schon immer Und ihr habt es jetzt übernommen, sondern ich würde eher sagen da ist ein ständiges Gespräch von geben und nehmen.

00:44:16: Von gegenseitiger Korrektur und dem Hoffnung miteinander die Welt gestalten zu können auch über die Grenzen der Traditionen und Überzeugung hinaus.

00:44:28: Ich würde aber vielleicht nochmal auch fortan fragen ob haben Sie noch eine andere Sicht auf die Frage?

00:44:34: Vielleicht habe zu weit

00:44:38: gegangen.

00:44:39: Ich sehe das auch ähnlich, also ich glaube auch dass religiöse Tradition oder jetzt besonders die christliche katholische ist ja sozusagen auch in Wechselwirkung und in Kontakt mit anderen Traditionen.

00:44:59: und genau deswegen kann ich es nicht als isolierte Größe sehen sondern Genau, sondern glaube dass das ja nicht so isoliert betrachtet werden kann.

00:45:12: Was ich vielleicht bei ihrem Gedanken kam mir noch in den Kopf was ich verstehen kann ist dieser Gedanke wenn man Menschen trifft vielleicht in Europa die Manchmal, wo man manchmal so gerade als religiöser Mensch, wo jetzt man sich auch sehr viel mit Religionen beschäftigt und sehr viel darüber nachdenkt.

00:45:33: Und dann merkt man so eine richtig, ja schon ein bisschen sehr kritisch halte gegenüber religiösen Leben an sich dass das soweit weg ist von der Lebensrealität dass es sehr negativ konnotiert ist.

00:45:51: Und das finde ich irgendwie auch... kritisch und würde mir sozusagen, da kommt mir Ihr Satz in den Sinn verpflichtet zu wissen das Gott existiert.

00:46:03: Finde ich auch gerade als Bürger einer Demokratie sehr wichtig zu akzeptieren dass es eben auch Bürger gibt die an Gott glauben und die dann eben die zehn Gebote für in ihrem Denk- und Glaubenssystem anders konnotieren und verorten Als Bürger die das nicht tun und das ist ja auch total legitim nicht so glauben.

00:46:22: Aber es ist eben genauso legitim das zu tun.

00:46:24: und deswegen finde ich, ist man als Bürgerverpflichtet zu wissen dass es eben auch Menschen gibt die glauben das Gott existiert.

00:46:32: Und dass man damit sich sozusagen positiv konstruktiv mal auseinandersetzt.

00:46:38: Ja und ich meine sogar vielleicht in einer Baumel sie würden's genau so fragen was wären jetzt nochmal das plus denn darüber hinaus was menschen in einer religiösen Tradition stehen und leben, aus ihr heraushandeln.

00:46:58: Was haben die denn über Mitglieder der säkularen Gesellschaft zu dem wir nun mal gehören?

00:47:07: Hinaus!

00:47:09: Und das ist mir so in den letzten Jahren – übrigens gerade in der Corona-Zeit – sehr klar geworden dass wir jüdischer Christlicher Auch islamischerseits, immer sagen können wir gehören außer zu dieser gemeinsamen Geschichte unseres Landes und des Westens usw.

00:47:32: Wir gehören noch zu einer anderen Geschichte Und diese andere Geschichte beheimatet mich nochmal anders und gibt mir nochmal eine kritische Befreiende Distanz regt auch die Fantasie und auch unsere Bereitschaft über unsere Anlagen und Triebe hinauszugehen so schön, befreiend an.

00:48:02: Also man steht dann immer wieder wenn man als religiöser Mensch lebt in diesem anderen Kontext.

00:48:10: deswegen spreche ich jetzt auch immer davon dass unsere religiöse Zugehörigkeit eine Rekontextualisierung ist.

00:48:19: Ich komme da wieder in diesen alten Kontext hinein Lebenszusammenhang und Deutungshorizont hinein, Rekontextualisierung.

00:48:30: Deswegen fand ich das schon auch wichtig dass sie als religiöser Mensch fragen seht ihr eigentlich woher das kommt was uns heute so selbstverständlich in unseren Gesellschaften ist?

00:48:47: noch mal eine Abschluss-Frage.

00:48:51: Was würden sie vielleicht auch sehr konkret, sind ja auch in Arabien an der Gemeinde und wenn da jemand auf Sie zukommt und sagt Ja also ich würde total gerne irgendwie glauben und irgendwie geht's aber nicht.

00:49:06: Also es ist einfach so sehr stark diesen konflikt, möglichen Konflikt zwischen Glaube und Vernunft für sich irgendwie identifiziert und so dazwischen steht.

00:49:17: Und nicht so richtig weiß wie geht das in beides zusammen?

00:49:21: Was würden Sie dem sagen wenn der so dieses Spannungsfeld Ihnen skizziert?

00:49:30: Also zunächst mal würde ich dieser Person sagen dass es ist ein Prozess ein gläubiger zu werden.

00:49:38: Das heißt es geht nicht von heute auf morgen Und auch Leute, die gläubig sind wachsen und fallen und wiederwachsen in ihrem eigenen Glauben.

00:49:47: Das ist ein Lebensprozess!

00:49:49: Also wenn er jetzt nicht in der Lage ist diesen Glaubens zu finden dann heißt es nicht dass er morgen nicht an der Lage sein wird auszufinden.

00:49:56: Das heißt man grundsätzlich ihn bisschen so vorzubereiten wie er sich da einstellen soll.

00:50:04: Wenn's um einen praktischen Tipp geht Dann würde ich ihm sagen das Aus jüdischer Sicht ist Glaube etwas, was sich aus dem Handeln entwickelt.

00:50:16: Das bedeutet Sie wissen ja das das Judentum ist eine sehr eine Halacharelegion d. h., es gibt so viele Gesetze Gehe und Verboote Was man tun und nicht tun soll usw.

00:50:31: Und ich sage immer dass das Beginn zu handeln sogar wenn du noch nicht ganz glaubst Und das stetige Handeln würde dich zum Glauben führen und nicht umgekehrt.

00:50:46: Ich gebe mal ein Beispiel, sagen wir jemand will beim Herzig sein und er will so die Eigenschaft der beim Herzigkeit in sich entwickeln dann ist es aus jüdischer Sicht zumindest nicht so dass er sich hinsetzt und sagt okay ich werde jetzt beim herzig sondern das ist mehr so dass sie anfängt zu geben und zu handeln, um zu tun.

00:51:09: Und seine Handlungen werden dann innerlich zu einem beim herzigen Menschen machen.

00:51:15: Genauso wenn ein Mensch Glaube lebt, ist es etwas was sein Glauben auch innerlich entwickeln wird.

00:51:23: Wie gesagt, wir Menschen können immer wieder Zweifel haben an uns... am Glaube, am Wissen an Gott.

00:51:33: Vielleicht haben wir heute etwas wissen wie er heute mehr und morgen weniger oder übermorgen wieder mehr.

00:51:38: aber die Halachaf verpflichtet den jüdischen Menschen zu tun und jeden Tag zu tun, um in der Hoffnung dass das ihnen stärken wird in seinem Glauben ich hoffe ich konnte das so klar zum Ausdruck bringen

00:51:54: ja auf jeden Fall

00:51:56: spannend also.

00:51:58: Handeln ist sehr wichtig, um den Glaubensprozess zu starten und zu pflegen.

00:52:06: Und nicht zu schnell verzweifeln, wenn es auch mal Duschstrecken gibt

00:52:12: diesen

00:52:12: Part of the game sozusagen oder einfach dazu.

00:52:17: Ravina Baumel sie machen uns eine riesige Freude das merken Sie?

00:52:21: Es ist ein wirkliches Vergnügen mit ihnen zu sprechen, auch zu diskutieren.

00:52:28: So viel Erfahrung und Sie haben da auch so viel Kenntnis uns jetzt vermittelt, aber ich weiß sie haben auch soviel zu tun.

00:52:38: Deswegen lassen wir sie jetzt gehen und sagen einfach ganz herzlichen Dank!

00:52:45: Okay sehr gerne, ich danke Ihnen und habe mich sehr gefreut.

00:52:51: Also ein sehr spannender und interessanter Austausch.

00:52:56: Vielen vielen Dank!

00:52:57: Danke schön!

00:52:58: Danke, tschüss.

00:53:02: Alles klar?

00:53:18: Alles klar, in der wir noch mal Revue passieren lassen.

00:53:22: Was haben wir eigentlich gerade gehört?

00:53:24: Und was hat bei uns besonders resoniert oder welcher Gedanke ist da bei uns hervorgekommen?

00:53:31: Ja, was war es so bei Ihnen?

00:53:33: Was hat bei Ihnen angefangen zu rattern oder... Also eine

00:53:39: ganz lustige und schöne Beobachtung als er gesagt hat In der jüdischen Tradition gehört es einfach dazu, wenn wir Talmud studieren.

00:53:51: Dass sie diese unterschiedlichen Meinungen der Gelehrten hören und lesen Und das hat für mich sagt er eine Auswirkung auf meinen Alltag und meine ganze Lebensform.

00:54:05: Ich würde jetzt mal mit meinen Worten wiedergeben Weil er dadurch lernt sich in andere hinein zu denken.

00:54:13: Ja und es ging dann bei ihm so weit dass er sagt zwar nicht in jedem Zusammenhang, aber irgendwie ist an jeder Meinung auch was richtiges.

00:54:23: Was war es dran?

00:54:25: Also diese Freude an der Unterschiedlichkeit die ich lerne ja richtig einfühlsam nachzuvollziehen als Ergebnis einer jahrzehntelangen Tradition seiner eigenen Studien der jüdischen Literatur ist doch wirklich wunderschön, oder?

00:54:51: War das auch aufgefallen oder waren Sie bei was anderen Hängen geblieben.

00:54:54: Ja, ich fand es auch total spannend.

00:54:57: Er hat ja auch vom Prisma gesprochen durch dass man sozusagen... dann schaut und das fand ich auch ein sehr gutes Bild dafür, weil natürlich genau also sozusagen dass es so eine Linse ist oder ein Prisma ist natürlich noch viel viel vielfältiger und bunter.

00:55:20: Und bei mir ist auch was ähnliches hängen geblieben oder etwas in die ähnliche Richtung geht Und zwar so ein bisschen, dass irgendwie Wissen einen Kontext hat.

00:55:32: Also irgendwie situiert es in Raum und Zeit... ...und da hat er ja diesen einen, er hat ja mein Moment Nides zitiert und gesagt man sei verpflichtet zu wissen das Gott existiert!

00:55:48: Und dieser Satz ich finde da steckt irgendwie sehr viel drin oder man kann ihn auch von sehr vielen unterschiedlichen Perspektiven deuten.

00:55:57: Ich fand das sozusagen spannend, einmal aus der Perspektive als jüdischer Mensch sagen der Aufruf oder schon gegen Verpflichtung diesem Wissen zu erforschen und dem nachzugehen.

00:56:15: Aber gleichzeitig könnte man auch sagen ja auch andere Menschen glauben dass Gott existiert und die schauen vielleicht durch andere Linsen Ja, damit hat dann auch eine Wechselwirkung auf das eigene Wissen.

00:56:31: Und vor allen Dingen gibt es auch viele Leute die eben nicht glauben... also die nicht glauben dass Gott existiert aber vielleicht könnte das auch der Gedanke sein?

00:56:40: Na ja!

00:56:40: Aber man muss auch schon irgendwie... Man ist verpflichtet sozusagen als Bürger auch zu akzeptieren, dass für andere Menschen eben der Glaube existiert und das sollte man sozusagen als Wissens gut einfach Wissen, dass eben Bürger auch religiös sein können.

00:56:59: Durchaus irgendwie im Kopf behalten.

00:57:02: Da merke ich richtig.

00:57:03: da redet die Expertin für Religious Literacy.

00:57:07: Die erwartet das wirklich alle Menschen über Religion und Religionen auch eine gewisse Kenntnis haben stimmt's?

00:57:16: Genau ja!

00:57:17: Ich beschäftige mich mit dem Konzept und Begriff Religious literacy Und genau das ist so ein Grundaktion davon, dass man als Bürger sozusagen die Pflicht hat sich mit Religionen auch wenn man persönlich selber nicht religiös ist damit zu befassen und genau.

00:57:37: Das kommt wahrscheinlich auch ein bisschen durch mein Prismal.

00:57:46: Alles Gute und bis zum nächsten Glauben!

00:57:50: Ja wir machen uns ja immer gegenseitig Vorschläge, was unser Wort des Monats ist und ich habe da heute ein Adjektiv zu bieten.

00:58:02: Ich erzähle erstmal wie ich überhaupt auf dieses Wort gekommen bin – das hat überhaupt nicht zu meinem Bordschutz davor gehört als ich in Ankara gelebt habe.

00:58:13: Das hat mir eine deutsche Bekannte gesagt als ich mich so ein bisschen ängstlich beschwert habe, dass es im Straßenverkehr schwierig ist und ich hier nicht so gerne Auto fahre.

00:58:25: Ja du musst hier geschmeidig fahren!

00:58:30: Und ich hab mir dann länger überlegt was meinste eigentlich damit?

00:58:34: Man muss darauf achten was die anderen machen.

00:58:36: man muss irgendwie immer ganz viel auch intuitiv so im Blick und im Sinn haben wie der Verkehr läuft und was die verschiedenen Teilnehmer tun Und trotzdem auch genau wissen, was man jetzt selber vor hat und das deutlich den anderen auch durchs Verhalten.

00:58:56: Und auch die Gesten, die man da so als Autofahrerin Pfarrer macht zu kommunizieren.

00:59:04: also das Wort geschmeidigt war mir vorher gar nicht so vertraut aber es heißt halt flexibel elastisch Aber mit dieser ganzen Klarheit auch selber möchte.

00:59:19: Passt übrigens sehr gut zu ihrem Wort des Monats von letztem Mal, Sie haben doch Gedankenschmiede gesagt und geschmeidig heißt das habe ich mal nachgeschaut Es lässt sich schmieden also man kann es bearbeiten und es kann dann eine andere Form annehmen.

00:59:37: Ich finde ist eigentlich ne Tugend die wir wirklich ungeheuer brauchen Heute, wo so viel Misstrauen und so viel Missverständnis herrscht.

00:59:48: Was meint die andere eigentlich?

00:59:51: Kann ich mich da jetzt mal rein denken?

00:59:53: Eigentlich genau das was unser Rabbi Baumel mit seinem jüdischen Traditionsstudium macht.

01:00:00: Könnte man geradezu auch sagen, da lernt man geschmeidig zu denken ohne dadurch Profilos zu werden!

01:00:07: Und wie ist Ihr Wort des

01:00:09: Monats?!

01:00:11: Also mein Wort des Monats ist Amiguitätstoleranz.

01:00:16: Ist ein bisschen kleiner Zungenbrecher, nicht so geschmeidig, wenn man es ausspricht!

01:00:22: Aber ich finde das ein sehr wichtiges Wort.

01:00:27: Ich kann's ja mal ein bisschen aufdrüsseln.

01:00:28: also es ist eine Fusion von zwei Wörtern einmal Ambiguität.

01:00:34: Ambiguitet bedeutet Mehrdeutigkeit, also etwas von mehreren Seiten betrachten und Toleranz kommt ja von Tolerare etwas ertragen oder aushalten.

01:00:47: Und wenn man das jetzt zusammen, also wenn man diese beiden Wörter zusammen fusioniert dann bedeutet es dass es... Oder gibt es ein Denken wieder?

01:00:55: Dass sich zwischen mehreren Möglichkeiten bewegt und die Bewegung ist da glaube ich das Entscheidende.

01:01:01: Also es bezeichnet sozusagen die Fähigkeit Mehrdeutigkeit einerseits zu erkennen aber auch zu ertragen klingt so leidend aber sozusagen sich das bewusst auszuhalten was eben nicht immer unbedingt so einfach ist also es vielleicht einfacher gesagt als manchmal selber umgesetzt genau und ich glaube dass eine ambiguitätstoleranz ja auch ne wichtiger eigenschaft ist die man sozusagen versuchen, sollte zu kultivieren.

01:01:29: Dass man nicht jede Spannung immer sofort den Impuls hat die muss jetzt gleich auflösen sondern erst mal ein bisschen genauer betrachten warum was steht da eigentlich in Spannungen?

01:01:41: also wenn man jetzt irgendwie Ja, die eigenen religiösen Schriften liest dann fallen einem ja doch öfter irgendwie Spannungen auf.

01:01:52: Er hatte auch ganz eindrücklich gesagt dass sozusagen die Spannung im Juntun unterschiedliche Perspektiven wirklich auch eigentlich gerade dazugehören und genau also diese diese unterschiedlichen Perspektive nicht harmonisieren gleich wollen und die müssen jetzt alle gleich sein sondern Man kann auch mit offenen Fragen ganz gut weiterleben und also leben.

01:02:17: Und ohne jetzt gleich irgendwie alles in Zweifel zu ziehen, und irgendwie zu denken oh ich hab jetzt mein Glauben verloren.

01:02:26: Also eine Haltung sozusagen nicht irgendwie alles so ganz eng betrachten zu wollen.

01:02:32: Das muss jetzt immer nur eine Bedeutung haben aber auch nicht irgendwie random zu werden und alles beliebig aufzulösen sondern eine Offenheit zu kultivieren.

01:02:45: Das verbinde ich mit Ambigriertätstoleranz.

01:02:50: Sehr schönes Wort, danke!

01:02:51: Dann wünschen wir jetzt unseren Hörerinnen und Hörern alles Gute und bis zum nächsten Glauben.

01:02:57: Und glauben Sie nicht alles was man Ihnen sagt?

01:03:00: Das war die neue Folge von Alles Glaub'n.

01:03:02: Wir hoffen ihr konntet etwas für euch mitnehmen Wenn euch diese Folge gefallen hat.

01:03:07: abonniert gerne den Podcast

01:03:09: Und

01:03:09: eine richtig große Freude macht ihr uns, wenn ihr diesen Podcast mit fünf Sternen bewertet.

01:03:15: Alles Gute euch und bis zum nächsten letzten Dienstag im Monat!

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