„Glow“ durch Glauben? (#09)

Shownotes

Kann man durch Glauben eine ganz besondere Ausstrahlung – einen echten „Glow“ – bekommen? In dieser Episode von „Alles Glauben“ sprechen Johanna Tannen und Prof. Felix Körner mit Prof. Dr. Tuba Işık (Humboldt-Universität zu Berlin) über das Spannungsfeld zwischen modernem Schönheitskult, sozialem Mediendruck und gelebter Glaubenspraxis.

Işık lehrt islamische Religionspädagogik und praktische Theologie. Sie erläutert, warum echte Ausstrahlung nicht durch oberflächliche Selbstoptimierung entsteht, sondern durch die Kultivierung des eigenen Charakters und Tugenden wie Besonnenheit oder Barmherzigkeit. Zudem diskutieren die drei über die Sichtbarkeit muslimischer Frauen im öffentlichen Raum, Empowerment und die Frage, wie Glaube zu einer befreienden Ressource wird.

Dieser Podcast wird produziert von TLDR Studios.

Transkript anzeigen

00:00:23: Willkommen zurück zu Alles Glauben, dem Podcast von Professor und Jesuit Felix Körner Inhaber des Nikolaus Cousinus Lehrstuhls.

00:00:31: Und mir Johanna Tannen, Promoventin in katholischer Theologie und Visiting Scholar am Berkeley Center for Religion, Peace and Wealth Affairs an der Georgetown University.

00:00:42: Wir sind der Podcast alles glauben über Religionen Der aber keineswegs verlangt.

00:00:48: man sollte alles glauben.

00:00:51: Ja super, Frau Tannen hinter Ihnen steht schon der große Schriftzug Georgetown University.

00:00:58: Wie geht es Ihnen bei meinen Mitbrüdern in Washington DC?

00:01:04: Das liegt ja direkt bei den Gebieten der US-Regierung oder?

00:01:11: Genau wir sind unmittelbar davon entfernt genau!

00:01:14: Ich bin sehr gut angekommen habe ich auch einen schönen Raum gefunden aus dem ich jetzt die nächsten Monate podcasten kann Und mir gefällt es dir sehr gut.

00:01:23: Ich habe schon einen ihrer Mitbrüder im Gottesdienst am Sonntag getroffen, und

00:01:26: zwar

00:01:27: David Hollenbach!

00:01:28: Das war für mich ein kleiner Fanmoment... Ein älterer öffentlicher Theologe aus den USA.

00:01:35: Und genau, ne?

00:01:37: Also ich bin gut angekommen.

00:01:39: Habe auch sozusagen hier eine

00:01:40: Gemeinde gefunden.

00:01:42: Es ist ein toller Campus und fühle mich sehr wohl.

00:01:46: Und freue mich jetzt, dass wir wieder zurück Turnos sind, weil wir hatten ja jetzt eine Publikumsfolge.

00:01:52: Aber jetzt gehen wir wieder zurück.

00:01:54: aber sie müssen mal kurz... Sie sind ja auch anwieder zurück!

00:01:57: Sie waren ja auch unterwegs.

00:01:58: wie geht's Ihnen?

00:02:00: Wir sind am letzten Montag in Manzurdoran und ich zurückgekommen aus Mindanao.

00:02:08: insgesamt hat die Reise dreißig Stunden gedauert.

00:02:12: Wow okay.

00:02:13: Aber zwei Wochen in Anna Jesuiten Universität auf dieser südlichsten Insel der Philippinen, ganz toll wie die Mitbrüder und das ganze Team der Universität da die Studis begleiten und weiterführen.

00:02:35: Ganz eindrucksvolle junge Leute, die da studieren sehr klug und gesprächsbereit, wie sie sich äußern wenn wir sie einladen in Gruppenarbeit oder dann im Plenum auf einem Panel zu reagieren, auf die Inputs, die wir ihnen gegeben haben und ihre eigenen Gedanken zu entwickeln.

00:02:56: Wir sind wirklich sehr begeistert zurückgekommen und das ist natürlich auch ein Feld des islamischen christlichen Dialogs wo Manzo mit seiner spirituellen und theologischen Art sehr gut wirken und auch einen bleibenden Eindruck hinterlassen konnte.

00:03:15: Also uns geht es sehr gut!

00:03:17: Sehr schön, ja ich habe es ein bisschen verfolgt, paar Fotos gesehen und immer ganz volle Seele.

00:03:22: also ist toll wie viele Leute dort studieren und sich dem christlich-islamischen Dialog öffnen und da muss ich bei Gelegenheit nochmal mehr von hören.

00:03:38: Aber heute starten wir jetzt nach unserer Sommerfolge wieder zurück in unser bekanntes Format, was uns ja auch sehr ans Herz gewachsen ist.

00:03:49: Nämlich Gespräche mit Gästen aus unterschiedlichen religiösen Traditionen.

00:03:54: Wir wollen aber heute mal nicht Streit Gottesbilder oder dergleichen zum Thema machen sondern fragen wie sich Glauben im Leben anfühlt.

00:04:08: Und da habe ich von Ihnen gelernt, Frau Tannen.

00:04:11: Dass es in den sozialen Medien sogar die Behauptung gibt wenn du Jesus in deinem Leben aufnimmst dann bekommst Du eine ganz neue Ausstrahlung, die sich bis auf Deine Haut niederschläge.

00:04:24: Du bekommest einen Jesus-Glow.

00:04:28: dieses Glüh'n Das ist schon interessant.

00:04:31: Kann man Glow durch Glauben bekommen?

00:04:36: Genau.

00:04:36: Und davorhin haben wir Professorin Dr.

00:04:39: Tuba Ischik angefragt und herzlich willkommen, Professorin Ischek!

00:04:47: Alles im Gespräch.

00:04:49: Ja ich stelle dich mal vor liebe Tuba.

00:04:52: Tiba Ischig ist seit Oktober-Zw.A.

00:04:56: Professorin für islamische Religionspädagogik und praktische Theologie an der Humboldt Universität zu Berlin.

00:05:05: Wir beide kennen uns allerdings schon viel länger und arbeiten jetzt im selben Gebäude.

00:05:10: Das erste Mal kennengelernt haben wir es, glaube ich in der Rusa leben.

00:05:15: Tuber-Ischöcks Promotion war von Klaus von Stosch und Mohanat Rashid begleitet.

00:05:26: Mohanate Rashid ist uns gut bekannt, Folge sechs.

00:05:31: Und zwei tausendundneinzehn hat sie ihre Habilitation zur Kultivierung des selbst, verfasst.

00:05:39: Untertitel die Bedeutung des Charakters für die Bildung im Horizont der Tugendethik.

00:05:48: Tuber Oeschek leitet das Forschungslabor für ästhetisch-islamische Bildung Föhrer Lab abgekürzt, forscht zu Musik und Mystik in Islam und ist Gründungsmitglied des Aktionsbündnisses Muslimischer Frauen in Deutschland.

00:06:06: Übrigens war Tuba Ischik auch in der zweiten Phase der Deutschen Islamkonferenz Unabhängiges Mitglied.

00:06:15: Liebe Tuba, sehr schön dass du heute bei uns bist!

00:06:19: Vielen Dank für die Einladung und ich freue mich auch sehr hier unter Ihnen zu sein und ich freu mich auf das Gespräch.

00:06:27: Liebe Tuber Du bist praktische Theologin Und jetzt stellen wir dir eine ganz praktische Frage Welche Wirkung hat der Glaube in der Praxis.

00:06:41: Also noch konkreter gesagt, hat man ein anderes Lebensgefühl oder hat man eine andere Ausstrahlung?

00:06:50: Wenn man seinen Glauben lebt, seinen Glauben erlebt...

00:06:57: Ich denke ja, Glaube kann eine andere ausstrahlung hervorbringen aber nicht im Sinne eines äußerlichen Scheinens.

00:07:07: Also ich denke, Glaube verändert zunächst den Blick auf die Welt und sich selbst.

00:07:14: Im islamischen Verständnis bedeutet Glauben ja auch Sich immer wieder daran zu erinnern dass Ich nicht aus mir selbst heraus existiere sondern in einer Beziehung Zu Gott zu anderen Menschen und zur Schaffungsstärke Und dadurch können Werte oder Eigenschaften wie Dankbarkeit, Geduld beim Herzlichkeit und auch Gelassenheit zu einer Haltung werden.

00:07:37: Und ich glaube dass man diese Haltung dann irgendwann auch wahrnimmt also nicht unbedingt daran, wie jemand aussieht sondern daran wie jemand einem anderen Menschen begegnet.

00:07:46: Also wir aufmerksam, wie aufmerksam jemand ist und wie er sie mit schwierigen Situationen umgeht und

00:07:54: genau Sie haben es jetzt schon so ein bisschen erwähnt, und zwar von einer Haltung haben sie jetzt gesprochen.

00:08:01: Deshalb interessiert mich etwas aus der Medien-Community was ich auch sehr stark in den sozialen Medien wahrnehme und mich frage ob das im islamischen Medien Community auch ein Phänomen ist und zwar der Glow.

00:08:18: Also, sie haben bestimmt auch schon mal gehört und unsere Hörerinnen und Hörern.

00:08:24: Man könnte sagen

00:08:25: Popkulturelles

00:08:25: Versprechen für eine ganz bestimmte Ausstrahlung einer Haltung jetzt... Ganz andere Beispiel, aber zum Beispiel ganz typisches Glowversprechen ist ja irgendwie reiner Haut sichtbarer Erfolg.

00:08:39: Und das kann man sich alles erarbeiten indem man ein bestimmtes Produkt kauft oder dieses und jenes tut.

00:08:45: Das kann man dann auch in den sozialen Medien alles schön darstellen und sichtbaren machen.

00:08:51: In einem wirkliches Scheinwerferlicht wird es dann alles gerückt.

00:08:55: Ja, und deswegen finde ich dieses Phänomen des Glows ganz spannend.

00:09:00: Und wollte mal fragen, gibt es so was auch in der islamischen Community?

00:09:06: So ein Glow ...

00:09:09: Also, ich finde erst einmal diesen Schönheitskult heute tatsächlich sehr erschreckend.

00:09:15: Diese gesamte Fixierung auf Schönheit hat in den letzten Jahrzehnten meistens stark zugenommen, also auch radikal zugenommt eben dieser halb um ebenmäßige Haut, marklose Gesichtzüge und dass man immer so fit sein soll oder möglichst jugendlicher Körper.

00:09:32: Und ich denke davon sind muslimische Menschen natürlich nicht gefallen.

00:09:35: Also gleichzeitig gibt es in der islamischen Glaubenslehre auch eine Perspektive auf den Körper.

00:09:41: also der Körper ist eine Amaner arabisch also etwas das uns von Gott an vertraut ist Und deshalb sollen wir ihn pflegen und gut mit ihm umgehen.

00:09:51: Aber zwischen Fürsorge-und Selbstoptimierung liegt ein entscheidender

00:09:55: Unterschied.".

00:09:56: Das Prinzip der Mitte, das wir von Aristotel schon gut kennen, dass wir aber auch eben aus der prophetischen Tradition auch kennen ist für uns Muslime da sehr richtungsweisend würde ich sagen.

00:10:06: Es geht also darum den Körper zwar wertzuschätzen, ohne ihn zum Projekt des eigenen Selbstwertes dann zu machen.

00:10:15: Und an dieser Stelle würde ich auch den Unterschied zwischen, also zum Glow der sozialen Medien sehen.

00:10:23: Und zwar es gibt einen Unterschied zwischen der Sorge um den eigenen Körper und dem Permanenten Herstellen eines bestimmten äußerlichen Erscheinungsbildes.

00:10:35: Gut!

00:10:35: Also da hake ich mal ein.

00:10:37: Lieber Thuba, deine Habill trägt ja den Titel die Kultivierung des Selbsts.

00:10:44: Jetzt haben sie beide, Fortanzi und Tuberdu ihr so unterschieden zwischen Fürsorge für den Körper.

00:10:53: Und dann so eine Besorgtheit bin ich denn auch schön genug die so krank machen kann.

00:10:59: So ehrgeizig ist.

00:11:00: also wenn du von Kultivierung redest kannst du da klar unterscheiden Zwischenfürsorge und diesem Künstlichen.

00:11:10: sich selbst optimieren wollen, vielleicht um jeden Preis oder wirklich einen übertriebenen Preis zumindest.

00:11:17: Ich will es mal mit dem Kantenfilosofen-Bugentul Hansagen folgendermaßen formulieren!

00:11:25: Der sagt, dass wir heute gewissermaßen zu UnternehmerInnen unserer selbst geworden sind.

00:11:30: Also jeder soll sich selbst produzieren, verbessern, optimieren und letztendlich dann auch natürlich vermarkten.

00:11:36: Und das Interessante ist, dass ich diese Logik sogar tatsächlich mit religiösem Form verbinden lassen kann.

00:11:43: Meine Idee der Kultivierung des Selbst setzt eigentlich an einem anderen Punkt an.

00:11:48: Es geht nicht darum aus mir selbst ein möglichst perfektes oder erfolgreiches Produkt zu machen, es geht darum meinen Charakter zu bilden.

00:11:57: also welche Haltung entwickel ich?

00:11:58: Welche Personaleneinschaften versuche ich zu kultivieren?

00:12:02: Wie gehe ich mit anderen Menschen um?

00:12:03: Also der Horizont ist nochmal ein anderer.

00:12:05: wie reagiere ich auf Neid, Ärger, Kränkung und Macht das differenziert sehr stark diese selbst auf sich selbst gerichtet hat und der Selbstoptimierung.

00:12:17: Und Charakterbilden heißt für dich wahrscheinlich nicht nur, ihn mir zu Informationen zukommen lassen Bildungsbürger sondern bilden heißt auch wirklich ausbilden wachsen lassen Form geben.

00:12:33: oder also wie funktioniert es dann?

00:12:37: was muss man da machen wenn du wahrscheinlich doch auch aus der islamischen Tradition heraus sagst, ja den Charakter muss jeder Mensch bilden.

00:12:53: Also Charakter lässt sich ja tatsächlich durchübrigen und bilden.

00:12:58: also wenn ich zum Beispiel immer wieder versuche geduldig großzügig oder aufmerksam zu sein daraus kann dann mit der Zeit eine Haltung und eine feste Disposition eigentlich werden und sie wird dann zum Teil meiner Persönlichkeit Mhm.

00:13:12: Aber ich negiere gerne das Verb trainieren, wie wenn man einen Muskel trainieren würde?

00:13:21: Das würd' ich nicht sagen.

00:13:22: Es geht ja nicht um Leistungssteigerungen in dem Sinne, sondern entscheidend ist vielmehr was ich einübe und wozu ich mich bin.

00:13:29: Wozu?

00:13:30: Der Horizont ist da noch mal wichtig ... Ja!

00:13:33: Und Charakter zeigt sich tatsächlich in Beziehung und in konkreten Situationen.

00:13:37: Was mache ich, wenn ich gekränkt werde?

00:13:38: Wie gehe ich mit jemandem um der mir nicht zurückgeben kann.

00:13:42: Und deshalb würde ich tatsächlich von einer Einübung und Kultivierung sprechen als beispielsweise von einem Training, also während die Selbstoptimierung danach fragt wie kann ich mich verbessern?

00:13:55: Die Kultiverung fragt danach zu welchem Mensch möchte ich werden.

00:14:00: Und hast du da auch eine Formel wie dieser Mensch oder wie dieser Mensch überhaupt jeder Mensch werden soll.

00:14:13: Du hast ja auch gesagt, man muss sich klarwerden, wozu man seinen Charakter bildet?

00:14:21: Wie würdest du selber sagen, wo zu Menschen ihren Charakterbilden

00:14:25: sollten?".

00:14:27: Also ich denke, Menschen eifern etwas nach!

00:14:31: Und jetzt ist die Frage, wer ist das eigentlich?

00:14:33: Oder was ist das, dem ich nacheifere und dass mir sozusagen die Motivation gibt eben diesen Charakter auch zu bilden oder zu kultivieren.

00:14:42: Jetzt für mich ganz persönlich ist das natürlich der Prophet Mohammed.

00:14:48: Gott sei auf ihm und da sind ... Der Prophet ist ja geschmückt mit ganz vielen Prädikaten positiven Fredikaten.

00:14:57: Und man versucht sich sozusagen auch in eine gewisse In-der-Nacheifahrung und in dem Versuch, ein guter Mensch mit guten personalen Eigenschaften zu werden natürlich in diese Nachfolge des Propheten zu stellen.

00:15:12: Man kann nicht ein Prophet werden aber man kann versuchen seine Schuhe anzuziehen und eigene Spuren zu hinterlassen.

00:15:17: Das macht man dann eben mit seinem ganz spezifischen Charakter.

00:15:20: es geht nicht darum ein Imitat von etwas zu werden, sondern ... weil Charakter zeigt sich ja in den verschiedensten Situationen.

00:15:27: Und es ist immer eine Frage.

00:15:28: also muslimischen Philosophen haben das genauso wie Aristoteles auch in Anlehnungen und Rezeption von Aristotolis auch so formuliert.

00:15:35: Also man muss für die Situation genau entscheiden, wie viel ... Barmherzigkeit.

00:15:44: und wie zeigt sich BarmHerzigkeit in einer ganz bestimmten Situation, einem ganz bestimmte Land zu einer ganz bestimmten Zeit?

00:15:49: Die sieht nämlich anders aus.

00:15:50: In anderen Breitengraden.

00:15:53: Ja ja logisch.

00:15:54: Und auch in jeder anderen Situation wieder wahrscheinlich oder?

00:15:58: Genau genau.

00:16:00: Und sag mal bitte noch eine Eigenschaft.

00:16:02: Barm Herzlichkeit hast du jetzt schon genannt aber was wäre für dich noch so?

00:16:06: eine Eigschaft deines Propheten von der du sagst, die soll auch mich prägen?

00:16:13: Die mich vor allem prägend soll ist Besonnenheit.

00:16:16: Das ist für mich eine der wichtigsten Eigenschaften, die ich beim Propheten auch sehe und das ist eigentlich auch Hilm.

00:16:22: also arabisch-Hilm ... Ist eigentlich auch ne Voraussetzung damit man eine Situation angemessen adäquat ermessen kann.

00:16:33: Also ich muss meiner selbst gut gewahr werden, mich gut kennen.

00:16:38: Ich muss sozusagen in Anführungsstrichen die Lage gut checken.

00:16:41: Ich muss genau wissen, was passiert hier gerade und muss ... Aber ich reagiere dich effektiv!

00:16:48: Und das ist das Besondere des Besonnenseins, ne?

00:16:51: Ich wege ab und dann entscheide ich erst.

00:16:54: Also man geht so einen kleinen Schritt erstmal zurück, bevor man gleich reagiert oder handelt oder etwas sagt.

00:17:00: Tuba Uschyk und ich, wir haben schon mehrfach ganz toll zusammen unterrichtet.

00:17:05: Also immer hast du auch so tolle Vorschläge gemacht wie wir zusammen Akademieabende vorbereitet haben und den Studis auch dabei beigebracht haben, wie man eine Veranstaltung gestaltet oder dann deine Idee Wir können zusammen ein Seminar Predigtlehre veranstalten ja?

00:17:28: Und ich weiß jetzt Wenn du sagst Besonnenheit, dass du eigentlich nicht dich von so einem Zorn oder so packen lässt.

00:17:41: Du atmest da vielleicht noch einmal mehr durch bevor du reagierst?

00:17:45: Kann man das sagen?

00:17:46: oder wie machst du es?

00:17:48: Genau, das ist der große Wunsch!

00:17:52: Du hast ja eben Helm benannt also Besonnenkeit.

00:17:57: hast du das übersetzt?

00:17:58: ich kenne das Wort eher Als Milde.

00:18:03: oder verwechsel ich da was?

00:18:04: Oder würdest du sagen, nein, Besonnenheit ist auch Milde.

00:18:07: Wenn nämlich Milde so ein charakterliches Ziel von dir ist ... Ist es nicht manchmal wichtig, dass man nicht mild ist sondern mal sehr klar ist und vielleicht streng mit so einer Art heiligem Zorn sagt Nein so nicht!

00:18:26: Das ist genau richtig besonnen.

00:18:28: also Helm ist auch Samftmut und milde, richtig.

00:18:32: Das hat ja mehrere Bedeutung.

00:18:34: Und das ist genau das Interessante an den Tugenden.

00:18:38: Also ... das Ermessen erfordert eine entsprechende Handlung.

00:18:46: Die kann gemäß Situation nicht immer dieselbe sein!

00:18:50: Ich kann zwar diese Haltung haben, ich kann diese Neigung, diese Disposition haben, dass ich eigentlich ein sehr besonderer Mensch bin.

00:18:57: Aber eine Situation erfordert vielleicht in dem Moment, dass man sehr schnell ... eine Aussage tätigt, die sehr streng und sehr wütend erscheint.

00:19:07: Und sehr schnell kommen muss!

00:19:09: Aber diese Klugheit hilft mir eben genau an den Moment.

00:19:12: erst mal Besonderheit.

00:19:13: Weil das machst du irgendwie nicht automatisch.

00:19:16: Man macht es ja bewusst, wenn's automatisch ist keine Tugend in dem Sinne.

00:19:21: Aber die Besonderkeit spielt da eigentlich mit.

00:19:23: Weil die Situation ... Das Verhalten, was adäquat ist, ist eben tatsächlich nicht immer das Gleiche an den Tag zu legen.

00:19:30: Also ich kann manchmal eben nicht barmherzig sein – das geht nicht!

00:19:34: Da muss sich ein anderes Verhalten an dem Tag legen.

00:19:39: Ja, das läuft mir sehr ein.

00:19:42: Dann vielleicht jetzt von den inneren Formungen zu den Formungen... die hörbar und sichtbar sind.

00:19:49: Es war ein Mittel, mit dem der Islam traditionell auch Menschen einen Gefühl von vielleicht auch Gesundheit schenken kann ist die Musik.

00:20:00: Und dazu haben sie ja ganz viel geforscht zu Musik- und Gesangen in der Religionspraxis und auch zur mystischen Tradition.

00:20:10: Der Musik wird geradezu eine Peilende Kraft zugeschrieben.

00:20:16: Also ist Glow vielleicht eher etwas, dass man durchs Hören empfangen kann?

00:20:22: Also Glow im positiven Center.

00:20:25: Ja Musik ist mein Lieblingsdebater!

00:20:28: Ich denke das Musik einen solchen Zugang eröffnen kann.

00:20:31: also Musik erreicht uns ja wirklich auf einer Ebene den nicht zuerst über Begriff und Argumente funktioniert.

00:20:39: Durch Musik kann ich eine tiefen Dimension meines Glaubens erleben und erfahren, sie kann mich aufleben lassen, mich begeistern, mich geradezu enthousiastisch machen.

00:20:50: Manchmal entsteht eben ein Gefühl von ... Ich nenne das Glückseligkeit nicht Glück sondern wirklich Glückseligkeit ja?

00:20:57: Und darin liegt für mich auch etwas von ihrer Heilkraft.

00:21:00: also Musik kann etwas in uns bewegen oder uns in Bewegung bringen Was wir mit Worten eben manchmal gar nicht erreichen.

00:21:10: Also sie kann beruhigen, sie kann auch aufrichten trösten aber auch Freude und Lebendigkeit wecken.

00:21:16: Und gerade im religiösen Kontext kommt noch etwas hinzu Musik und insbesondere der Gesang können eine Erfahrung des Transcendenten ermöglichen.

00:21:27: also Sie machen etwas das eigentlich unsichtbar ist mithilfe der Musik auf eine ganz bestimmte Weise erfahrbar und spürbar.

00:21:35: Das gilt für mich ganz besonders für die religiöse Dichtung, die ich primär aufgrund ihrer Vertonung eigentlich als Kind gelernt habe.

00:21:41: Aber durch meine Mutter, die sehr viel gesungen hatte und wenn die Liebe zu Gott oder zum Propheten besungen wird dann höre ich diese Liebe eben nicht ausschließlich als Text.

00:21:52: also die Melodie Die Stimme der Rhythmus Und im Nachgang die Worte auch verbinden sich so miteinander Und plötzlich kann etwas, das ich vielleicht längst weiß.

00:22:03: Also den Profeten kenne ich ja und Gott eigentlich auch.

00:22:05: Ich habe eine Verbindung zu den beiden aber das wird so etwas... dass ich dann fühle.

00:22:11: Also diese Verbindung, diese Beziehung, die Liebe, die ich habe, die fühle ich also dieses Gegenwart Gottes, die eigentlich immer da ist und auf einmal ganz anders fühlbar für mich durch die Musik.

00:22:23: Meine Liebe wird noch mal ganz anders gespürt.

00:22:27: Ich spüre meine Sehnsucht zum Propheten ganz anders.

00:22:29: Die verdichtet sich eben.

00:22:30: Und irgendwie ganz anders.

00:22:32: nochmal... Da geht mein Herz irgendwie ganz anderes auf als wenn ich nur ein Gedicht lesen würde!

00:22:39: Mhm.

00:22:39: Ich denke, dass Musik da so eine Art auch Resonanzraum eben, das Glaubens sein kann.

00:22:44: Sie kann mich in eine ganz bestimmte Verfassung bringen und ... Das ließe sich jetzt als ... Auch als eine Form von Globe bezeichnen, dass ein Mensch durch solche Erfahrungen innerlich auflebt.

00:22:57: Und dieses Aufleben eben nach außen ausstrahlt.

00:23:02: Ja, ich find auch, Musik hat ja manchmal was Befreiendes, ne?

00:23:05: Also weil es irgendwie ... nicht unbedingt, also weil es sozusagen auch etwas sehr die Gefühle anspricht.

00:23:13: in einem Menschen kann man irgendwie ja vielleicht auch einfach mal so ein bisschen manche Sachen liegen lassen loslassen und sich ganz anders ansprechen lassen.

00:23:23: Und ich finde auch darin liegt die Kraft.

00:23:25: und man merkt richtig wenn sie darüber reden wie wie sie das begeistert.

00:23:30: und Sie haben ja auch ein eigenes Forschungslabor für ästhetisch-islamische Bildung begründet.

00:23:37: Das finde ich total super spannend.

00:23:40: Können Sie mal erzählen, was da genau so passiert?

00:23:47: Was sind die Forschungsschwerpunkte und wie kann man sich das vorstellen?

00:23:51: Gerne!

00:23:53: Ich habe das Forlab, das Forschungslabour für ästhetische Islamische Bildung vor knapp drei Jahren hier an meinem Lehrstuhl bzw.

00:24:02: Institut gegründet.

00:24:05: Wir haben uns zunächst die Frage gestellt, was passiert eigentlich wenn wir religiöse Bildung weniger über Wissensvermittlungen denken?

00:24:11: Sondern über Literatur, Musik und bildende Kunst.

00:24:14: Das sind die drei Schwerpunkte.

00:24:16: Dabei zeigt sich für uns immer deutlicher das ästhetische Erfahrungen einen eigenen Zugang zu religiösem und existenziellen Fragen eröffnen kann.

00:24:27: Ein Gedicht eine Erzählung ein Klang oder ein

00:24:30: Bild

00:24:31: kann etwas ansprechen beim Kind, bevor ich es überhaupt begrifflich formuliert habe.

00:24:35: Ja und gerade dadurch können Wahrnehmungen, Gefühle, Selbstreflexion und auch die Beziehung zu anderen Menschen nochmal ganz anders angeregt werden.

00:24:44: also Ich verstehe deswegen ästhetische Bildung als eine Art von Wahrnehnungsschulung Also eine Wahrnehmungsfähigkeit zu schulen, das ist eigentlich das Ziel.

00:24:55: Und es geht darum genauer bewusst hinzusehen, bewusst hinzu hören um überhaupt empfänglicher zu werden.

00:25:02: und unsere bisherigen Erfahrungen zeigen vor allem dass ästhetische Bildung eben nicht bloß eine schöne Methode für den Religionsunterricht ist ja sie kann auch einer sehr anspruchsvolle Weise sein Religion überhaupt zu erfahren weil Künste bieten Kindern dabei eine Unschätzbare Vielfalt an Anregungen, sich mit der Welt und dem eigenen selbst auseinanderzusetzen.

00:25:24: Sich an ihrem Gegenüber zu reiben und an ihm zu wachsen.

00:25:28: Dann kann ästhetische Bildung sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen eine sehr große Freude aber auch ein tief ergreifendes Nachsinn auslösen.

00:25:36: Und gerade dieses Zusammenspiel von Freude, Irritation, Gebreiben an etwas und im Nachdenken macht genau diesen Bildungswert für mich aus!

00:25:47: Super spannend.

00:25:49: Herr Klässer, übrigens war dann was Sie ja nicht wissen können bei uns am Institut waren in den letzten Monaten als sie schon in den USA waren manchmal ganz besondere Töne zu hören.

00:26:01: also man konnte schon ahnen so im späteren Vormittag um Frau Üschicke herumkommen Leute mit großen Instrumenten koffern und so und dann klingt das ganze Gebäude von wunderschönen Melodien.

00:26:16: Und jetzt meine Frage dazu, wer noch Musik hören ist ja das eine.

00:26:26: aber du hast auch mal gesagt singen oder mitsingen oder wahrscheinlich doch auch das tanzen.

00:26:33: macht ihr das dann auch sogar in der Uni wenn da so ein Konzert ist dass sie sagt ich singe da zumindest leise oder sogar laut mit.

00:26:42: oder es ist mehr ich empfange dass Bin still dabei.

00:26:48: Bewegungen, welche Rolle spielen die?

00:26:51: Also erstmal für die ästhetische Bildung wie du das nennst aber dann vielleicht ja auch... Du bist ja auch Religionspädagogin in der Vermittlung deines Glaubens an die nächste Generationen.

00:27:08: Also ich kann sagen, wir haben ja sehr unterschiedliche Veranstaltungen gemacht.

00:27:12: Tatsächlich angefangen von Musiktherapie also Musik als eine Form der Therapiemöglichkeit wo ganz viel Bewegung eigentlich im Spiel war.

00:27:21: da hatten wir unsere schönen Matten auf denen wir gelegen haben Musik gehört haben geträumt haben uns bewegt haben oder Konzerte aber auch Workshops und in den Workshop da erlebe ich das viel mehr dass Menschen das als ein religiöses ästhetisches Geschehen erleben.

00:27:44: Also da macht die Musik was mit ihnen, weil wir erproben da auch tatsächlich Inhalte, die wir kennen einfach so aus nicht-so-theologische Formeln, Neurologie auf den Propheten und die singen wir dann gemeinsam im Chor auf eine Art und Weise in einer Gemeinschaft, Und wir kennen uns nicht einmal erst einmal.

00:28:06: Also in der Gemeinschaft zu singen, das ist so dieses Horizontale... Das wird auf einmal ganz anders und man verbindet sich, man singt gemeinsam es kommen Klänge zustande und dieses Wir-Gefühl ist das eine schöne Produkt.

00:28:28: Aber das andere ist, man erfährt irgendwie nochmal Gott oder den Propheten.

00:28:33: Je nachdem wenn wir eine Eulogie.

00:28:34: natürlich singt dem Propheten noch mal ganz anders irgendwie und da spielt glaube ich die energie und die motivation der menschen an diesen workshops auch teilzunehmen nochmal ganz anders.

00:28:43: Und das wird umso wichtiger auch eben für die religionspädagogik, je mehr eigentlich sinne im spiel sind in einem bildungsgeschehen oder in ein prozess und je mehr bewegung im spiele es um so bleiben da ist eigentlich das erlebnis und die erfahrung.

00:28:57: also Das ist etwas, was ich versuche meinen Studierenden tatsächlich zu vermitteln.

00:29:02: Also nicht den Propheten wirklich übervorgeln.

00:29:05: und er hat gelebt und zu der Zeit ist gestorben zu der und von hier nach hier gewandert und seine Frau hieß so und seine Kinder nicht so sondern eine Beziehung lässt sich aufbauen viel schöner und bleibender und ich sag mal tiefer berührender wenn ich das auf ne ästhetische Weise machen also singend.

00:29:27: Ich kann mich noch erinnern, diese Geschichte erzähle ich sehr gerne.

00:29:31: Als wir das letzte Mal wieder mit dir in Jerusalem waren, war ja mein Kind dabei und mein Kind war damals drei.

00:29:38: Und als ich gelehrt habe mit Angelika Neumier zu der Zeit hat mein Mann sie betreutend.

00:29:43: Die sind dann natürlich in der Altstadt rumgelaufen und haben eben vieler Kirchen besucht.

00:29:49: Wir waren Gast damals auch im deutschen Pilgerhaus ... Und in allen diesen Räumen gibt es ja immer eine Statue von Jesus oder Maria und Jesus, Bilder von Maria und Jesus.

00:30:03: Ich hatte Jesus und Maria kennengelernt so mit Reimann.

00:30:07: Und ich weiß noch wie wir aus der Auferstehungskirche kamen... Wir haben hier alles erklärt!

00:30:14: Leeres Krab und so weiter.

00:30:16: Und Jesus mit seinem Kreuz, sehr wichtig ... Sie hat ja auch überall Bilder gesehen, die gesamte Passionsgeschichte.

00:30:22: Wir haben sie immer erzählt in zwei Versionen muss ich dazu sagen.

00:30:25: Ich hab eine christliche Version, mein Mann.

00:30:27: Eine klassisch muslimische

00:30:29: Version

00:30:30: unterstatt.

00:30:31: Mama!

00:30:32: Aber der Papa erzählt die Geschichte.

00:30:34: Der war schon so, ja genau.

00:30:37: Wir

00:30:38: lassen diese Ambiguität einfach mal stehen.

00:30:42: Und ich weiß noch wie wir eben aus Auferstehungskirche kamen so in Richtung, ne?

00:30:47: Evangelische... Kirche war das auf diesen Treppen gelaufen sind, wie sie gesagt hat.

00:30:54: Weißt du?

00:30:55: Ich liebe Maria und ich liebe Jesus!

00:30:59: Genau das ist eigentlich die Wirkung von Ästhetik, das ist die Wirkung von Bildern.

00:31:04: Das ist ja etwas was uns in der islamischen Religionspädagogik total fehlt eigentlich, also Bilder.

00:31:10: Okay, das lassen wir mal Bilder verboten, den Propheten abzubilden usw.. Lass ich dir jetzt mal so stehen.

00:31:17: Deswegen habe ich mich gefragt, wie kann ich eigentlich auch eine Liebe oder Beziehung zum Propheten Mohammed bei meinem Kind aufbauen?

00:31:24: Und ich hab das ganz dezidiert und ganz konkret über Lieder gemacht, dass ich mit ihr ganz verschiedene Eulogien gesungen habe immer wieder auch eine Erzählung, minimale kleinere Erzählungen zum Prophetin aus seinem Leben.

00:31:37: Mit Kindern vor allem ja!

00:31:38: Also schöne Erzählungen die auch hängen bleiben... Aber immer wieder der Prof.

00:31:43: Mohammed, sein Name wird erwähnt und wir sprechen die Eulogie gemeinsam!

00:31:47: Und so hat sie eigentlich eine Verbindung nochmal auf einer ganz anderen Weg auch kennengelernt.

00:31:53: Das ist natürlich das was in der Familie sehr schön passieren kann.

00:31:58: Du bildest ja auch Religionslehrerin oder Lehrer für Berlin aus.

00:32:04: Ganz toll dass du das machst.

00:32:07: Es gibt ja schon einige deiner Schülerinnen und Schüler Islamischen Religionsunterricht in Berlin geben.

00:32:15: Ganz klasse!

00:32:16: Meinst du, man kann das auch in der Schule tun mit den Schülerinnen und Schülern singen oder tanzen?

00:32:25: Das gehört eigentlich eher in die Familie und in der schule darf es nicht zu suggestiv sein da muss es eher akademisch informativ sein.

00:32:37: Der erste Grundstein kann tatsächlich zu Hause gelegt werden von ästhetischer Bildung.

00:32:44: Ich kann das nur bestätigen, weil ich kenne es auch aus meiner Familie so.

00:32:50: Meine Mutter hat sehr viel gesungen, mein Vater hat gesungen ... Wir singen heute immer noch sehr viel mit meinem Kind und da legt man eigentlich die Bausteine.

00:32:58: Die ersten sechs Jahre in den Jahren was ich gesungen habe, was mein Kind hört.

00:33:03: Das prägt ihr Hörverständnis und ihre Hörgewohnheit.

00:33:08: Und das wird auch das prägen, was sie vielleicht auch später eine Neigung dazu entwickeln, was die später lieber hören wird.

00:33:17: Und an der Universität ist es ein bisschen schwieriger, würde ich sagen, weil nicht jede ... Und jeder angehende Religionslehrerin ist musikalisch oder ist irgendwie künstlerisch begabt.

00:33:35: Deswegen versuchen wir sehr verschiedene Methoden und Zugänge, was sie einsetzen können – also man muss ja nicht singen unbedingt, aber man kann unterschiedliche Materialien benutzen Medienestätisch arbeiten, also Videos einspielen und über diese Videos auch sprechen.

00:33:53: Auch ästhetisch sprechen.

00:33:55: Man kann sehr viel eigentlich in die Natur gehen man kann Gotteshäuser verwenden eben nicht nur... Ich lerne jetzt was über eine Kirche und was sind hier die Gegenstände?

00:34:03: Und wie heißen sie?

00:34:04: sondern auch nochmal den Blick zu schärfen auf Kunstwerke, auf Verzierungen, auf Dekoration!

00:34:12: Das Wichtige beim Ästhetischen Lernen ist das Kind mit einem ästhetischen Gegenstand eigentlich nicht nur, dass die Begegnung da geleistet wird.

00:34:23: Sondern ... dass ich das verbalisiere.

00:34:26: Das ist unheimlich wichtig!

00:34:27: Das Kind muss in das Gespräch kommen darüber zu sprechen eine Verbindung dazu aufbauen.

00:34:33: Ansonsten guckt sich ein Kindermotor eine schöne Kaligrafie an und sagt okay, und geht weiter.

00:34:39: Aber wenn ich die Verbindung nicht schaffe also diese Brücke zwischen einer großen Kaligraphie dann hat es das einfach nur gesehen.

00:34:48: Kurz zur Erklärung, in Moscheen aber auch daheim haben viele Muslime ganz wunderschön gemalte arabische Schriftzüge – das ist ja eine der ganz großen Kunstformen des Islames – das Schöne schreiben.

00:35:06: und damit ist eben nicht nur gesagt hier steht jetzt ein Wort sondern Wie wird es dann sagen, also die Schönheit des Schriftzugs und das was da mit benannt ist.

00:35:20: Das bekommt dadurch eine eigene Gegenwart?

00:35:23: Kann man das so sagen?

00:35:25: Also das kann man eigentlich auch sehr schön mit anderen Bildern, auch mit modernen Bildern eigentlich gut machen finde ich.

00:35:35: In dem Moment wo ich versuche den Kind nochmal eine Perspektive dazu Das Kind dafür zu sensibilisieren, sich die Frage mal zu stellen.

00:35:44: Warum hat dieser Mensch so eine schöne Kaligrafie gezeichnet?

00:35:50: Nehmen wir den Namen Gottes Allah auf Arabisch.

00:35:54: Der hätte das auch so machen können zum Vergleich!

00:35:58: Also er hätte es einfach ganz normal wie eine Schreibmaschine hinschreiben können.

00:36:03: und dann komme ich beispielsweise in ein Gespräch zu sagen...

00:36:07: Aha

00:36:08: also es gibt sozusagen einen Wunsch, diese Verbindung oder den Blick, den inneren Blick auf Gott nochmal in einer anderen Form, einem anderen Ausdruck tatsächlich auf Blatt zu bringen.

00:36:24: Und die kann künstlerisch aussehen und der hat daraus eine schöne Kallografie gemacht.

00:36:28: Wie würdest du den Namen Gottes verzieren?

00:36:31: Dann hat man eigentlich erst mal so eine Verbindung!

00:36:34: Und dann fragt sich das Kind selbst auch... Also habe ich überhaupt eine Verbindung zu Gott?

00:36:41: Habe ich eine Beziehung?

00:36:43: Ist diese Beziehungen eigentlich von Freude, von Liebe und von Verbundenheit geprägt oder doch von irgendetwas anderem?

00:36:51: Vielleicht auch von Angst.

00:36:54: Wenn Gott eben mit Zeigefinger als so Moralkeule ständig hergeholt wird... Was für eine Verbindung zu Gott wird da eigentlich konzentragen?

00:37:04: oder kommt zum Ausdruck.

00:37:05: Und ich glaube, dass tatsächlich auch ganz viel durch die Kunst, durch das Malen und deswegen gibt es ja auch Kunsttherapie noch mal ganz viel eigentlich ausgedrückt werden kann was Kinder in sich tragen im Bezug auf ihren Glauben.

00:37:19: da kann man auch sehr fündig werden.

00:37:22: Da habe ich nochmal etwas fragen.

00:37:23: weil Also eine ganz praktische Frage und einfach nur Beobachtung.

00:37:28: In einem islamischen Ritualgebet, ich war mal im Libanon, das gibt es ja keine Musikinstrumente.

00:37:39: Wieso ist das eigentlich so?

00:37:42: Vielleicht sagen wir auch für die Hörerinnen

00:37:44: und Hörern...

00:37:45: In der islamischen Tradition sind Musik- oder Musikinstrumente per se nicht verboten.

00:37:50: Das Verhältnis

00:37:51: zu Musik ist aber in der islamische Tradition schon immer sehr differenziert gewesen, das ist bislang immer noch, ne?

00:37:56: Aber bestimmte Rituale... Da frage ich mich, brauchen die wirklich ein Instrument?

00:38:03: und manche haben eben keins wie beispielsweise das Salah also das rituelle Gebet dass sowohl alleine als auch in der Gemeinschaft gebetet werden kann Oder auch bestimmte rituale beispielsweise weiter Pilgerfahrt Warum?

00:38:16: Also ich denke die Stille oder die Reduktion eben auf die leise Stimme und die Ressitation, die Bewegung der Körper.

00:38:27: Das alles ist eigentlich selbst Teil dieser religiösen Erfahrung.

00:38:31: also wenn ich bete geht es nicht darum möglichst viele ästhetische Reize zu erzeugen ganz im Gegenteil beim Salah.

00:38:40: Also gerade die Reduction kann mir ermöglichen innezuhalten zu verweilen und mich zu konzentrieren.

00:38:49: So eine gewisse Art von körperlicher Erkenntnis eigentlich zu ermöglichen.

00:38:56: Und das ist für mich auch eine wichtige Dimension von Kontemplation, also ich brauche nicht immer mehr Klang oder mehr Bilder, mehr Eindrücke.

00:39:04: Manchmal brauche ich einfach weniger.

00:39:06: In der Stille kann Aufmerksamkeit erst, finde ich, entstehen.

00:39:12: Aus dieser Aufmerksamkeit dann wieder eben ... Die Vertiefung.

00:39:18: Genau.

00:39:20: Wie der Mohammed Mansur Doan, den viele auch kennen weil er in unserer ersten Folge gleich dabei war Assistent bei uns am Lehrstuhl.

00:39:31: Der war mit mir gerade auf Mindanao also der südlichsten Insel der Philippinen.

00:39:37: Ursprünglich haben da fast nur Muslime gelebt.

00:39:40: Inzwischen durch eine Siedlungspolitik der Zentralregierung gibt es mehr Christen, die Geschichte muss aufgearbeitet werden.

00:39:50: an der Uni wo wir waren wird sie auch aufgearbeitet und er wurde eingeladen auch Vorträge als Muslim zu halten.

00:39:59: Und die eindrucksvollste Vorlesung war hat er mehrfach vor großen Studierendengruppen gemacht erklärt einfach mal das islamische Ritual Gebet und es beginnt ja mit dieser Geste, die für uns eigentlich so aussieht.

00:40:14: Wir legen die Hände an die Ohren.

00:40:16: und natürlich haben die Schülerinnen und Schüler auch gedacht ja das ist so eine Höhergeste aber nein sagt er ich lasse alles hinter mir was mich noch von Gott trennen könnte.

00:40:27: also könnt man dann vielleicht sogar sagen dass im islamischen Ritualgebet keine Musikinstrumente vor kommen, ist eben diese bewusste Abgeschiedenheit.

00:40:38: Jetzt ist diese Konzentration jetzt hier nichts Weltliches.

00:40:43: Jetzt geht es

00:40:45: um

00:40:45: dich Gott allein!

00:40:46: Ist das so ein bisschen der Gedanke vielleicht dahinter?

00:40:49: Definitiv aber nicht nur jetzt geht's um dich gott allein sondern es geht um mich und Gott

00:40:54: weil

00:40:55: das Gebet ist tatsächlich ja wie so einen Dialog eigentlich.

00:40:59: also ich rezitiere die Wort Gottes Also, ich lese sie ihm vor irgendwie.

00:41:09: Das ist auch interessant.

00:41:11: Ich rezitiere Sie seine Stimme die Stimme des Propheten und meine werden zu einer Stimme in diesem Ritualgebet und ich rezitiere das Leise von mich hin Und ich sollte eigentlich wissen was ich rezeitiere.

00:41:25: und wenn da jetzt so Musik rein kommen würde es könnte echt irritieren und im Vordergrund steht ja auch Das Wort Gottes, also nichts kann über dem Wort Gottes stehen.

00:41:36: Aber du hast für dich recht!

00:41:38: Es geht tatsächlich um dieses Mit-Gott-Sein und sich Gott eigentlich öffnen.

00:41:45: Und da will man sich auch wirklich konzentrieren.

00:41:48: Da ist stiller das Beste Mittel.

00:41:53: Dann habe ich noch eine Frage.

00:41:55: Sie waren Gründungsmitglied bei dem Aktionsbündnis Moslimischer Frauen.

00:42:03: Das nennt sich, glaube ich, Woman Islamic Initiative in Spirituality and Equality und hat sich in New York gegründet.

00:42:10: Ist das richtig?

00:42:13: Und wollte ich mal mit der Frage zusammenbringen ob es eine tiefe Glaubenserfahrung auch das eigene Körpergefühl beeinflusst und die Ausstrahlung verändert und ob sie in diesem Rahmen da Ja, diese Frage irgendwie vielleicht besonders nochmal aus einer weiblichen Perspektive durchdenken.

00:42:34: Also ich kann Ihnen dann nur zustimmen.

00:42:36: also ich denke das ist wirklich eine tiefe Glaubenserfahrung etwas mit dem Körpergefühl und der eigene Ausstrahlung definitiv zu tun hat.

00:42:45: aber ich würde hier noch eben meine andere Dimension hinzufügen nämlich den öffentlichen Raum.

00:42:50: gerade als muslimisch koftruchtragende Frau bin ich ja sichtbar Und damit stellt sich immer wieder die Frage, wie selbstverständlich kann ich mich eigentlich in einem öffentlichen Raum bewegen der von bestimmten Vorstellungen darüber geprägt ist.

00:43:03: Wie eine Frau, wie ein Muslimin auszusehen oder aufzutreten oder zu sprechen hat?

00:43:08: und meine Arbeit mit Weiß und dem ANF also dem Aktionsbündnis muslimischer Frauen hat mich deshalb sehr stark für den Gedanken der Selbstbestimmung sensibilisiert.

00:43:20: Frauen sollen sich in den Arbeits- und Lebensbereichen bewegen können, indem sie selbst sich bewegen möchten.

00:43:26: Und das Zab-Award ist für mich dann auch durch die Arbeit hinweg eben tatsächlich Selbstbestimmung gewesen von Fremdstörung.

00:43:35: Dafür braucht es Empowerment.

00:43:37: Das ist unser zweites.

00:43:38: Wichtiges Wort.

00:43:40: Ja, und Emporment bedeutet für mich nicht einfach ja Frauen eben ein gutes irgendwie starkes Gefühl zu geben sondern es bedeutet sie so zu sensibilisieren und zu bilden dass ihr benachteiligende Strukturen erkennen können diskriminierende Zuschreibungen durchschauen können und ihre eigenen Auswege also oder Lösungswege kennenlernen.

00:44:02: und deswegen Eine Frau soll nicht nur selbstbewusst auftreten können, das bedeutet eben Empowerment auch.

00:44:07: Nur nicht!

00:44:08: Sondern sie soll ja auch verstehen können wann ihr Selbstverständnis von Außen eingeschränkt wird ne?

00:44:14: Und Glaube kann dabei eine wichtige Ressource sein.

00:44:16: Das habe ich in diesen verschiedenen Konferenzen von WISE immer wieder gesehen weil da muslimische Frauen aus aller Welt zusammengekommen sind und von ihren Erfahrungen erzählt haben Wo und wie Glaube da tatsächlich diese wichtigen Ressourcen sein konnte Mir meinen Wert eben, also ich habe gelernt.

00:44:36: Mein Wert wird nicht davon abhängig gemacht wie andere mich ansehen und wo sie mich hinstellen.

00:44:42: Meine Würde ist nicht etwas das mir der öffentliche Raum erst verleihen muss sondern ich hab die schon allein durch mein Glauben und durch Gott.

00:44:51: Ja das kann ich gut nachvollziehen.

00:44:53: Also ich bin ja katholische Theologin Und ich habe jetzt.

00:44:56: vor zwei Tagen war ich bei einer Veranstaltung hier Georgian University, da waren eigentlich, ja ich würde mal sagen, achtzig Prozent katholische Theologinnen aus der ganzen USA so zusammengekommen und haben ein Buch diskutiert um die Rolle der Frau in der Katholischen Kirche.

00:45:18: Und das was ich da gemerkt habe wie Ich kannte die ganzen Leute nicht.

00:45:24: Die meisten kannten sich auch unter anderem nicht, aber es war einfach sehr verbindend, diese Perspektive in einer Glaubensgemeinschaft noch mal zusammenzubringen und dort ein Gesprächsraum zu eröffnen.

00:45:36: Ich kann das gut verstehen, dass man sich da zusammenschließt und so Erfahrungen teilt.

00:45:44: Und was ich besonders spannend finde ist, Kategorie den öffentlichen Raum mit reinbringen.

00:45:52: Und es zeigt auch mir noch mal, also die Kategorie habe ich für mich gar nicht so stark was aber auch glaube ich bedeutet dass man sozusagen vielleicht als katholische Theologin also als Christian in Deutschland nicht so viel darüber nachdenken muss was aber ein Privileg ist.

00:46:11: und genau Ja, also ich hoffe dass sozusagen irgendwie in der Zukunft auch diese Kategorie nicht immer so stark bleiben muss.

00:46:21: Also dieses Frau sein und muslimische kaufzutragende Frau sein im öffentlichen Raum und das gilt aber auch für die eigene Community.

00:46:31: Aber auch an der Universität erlebe ich schon sehr oft Menschen mit einem bestimmten Bild von einer Kopfzuchtragenden Frau Muslimen begegnen.

00:46:40: Also, Sie haben eine Vorstellung davon welche Rolle sie hat diese kopfzuchtrangende Frau wie sie sich zu verhalten und wie sie sprechen soll und welchen gesellschaftlichen Platz ihr auch einnehmen sollen.

00:46:50: ja Und wenn die Frau oder die Person Die ihn tatsächlich eben gegenübersteht diesen bild nicht entspricht also etwa eine Professorin eben mit Kopftuch nicht ihrer Vorstellung entsprechen, sich verhält oder ist entsteht dann so ein Art Bruch zwischen Erwartung und Wirklichkeit.

00:47:09: Dann hat man im Aufzug der Theologischen Fakultät also ich muss jetzt mal fragen was studieren Sie hier eigentlich?

00:47:15: Ja da wäre nichts so was.

00:47:19: Und dieser Bruch kann aber auch sehr schnell eben zur Ignoranz zu Distanz aber auch Respektlosigkeit führen.

00:47:25: Also

00:47:26: absolut ja.

00:47:27: Ich glaube auch, ich glaube auch so die Erfahrung gemacht hat sozusagen vielleicht besonders dieses Frau sein und damit als religiöse Frau in die Öffentlichkeit zu treten.

00:47:36: Noch mal ganz andere Irritationen eventuell manchmal positiv.

00:47:40: Manchmal auch für einen selber gar nicht so positiv hervorruft weil das doch bei vielen Menschen, die vielleicht wenig Kontakt mit Religion allgemein haben irgendwie sehr verunsichert ist sag' ich mal.

00:47:52: Und manchmal kommen da ganz schöne Gespräche raus Aber auch nicht und genau, also kann ich gut nachvollziehen.

00:48:01: Und war das amüsement jetzt?

00:48:04: Wenn der Mensch im Aufzug fragt was studieren sie eigentlich?

00:48:08: die Frau, die auch noch Kopftuch trägt Die kann ja wohl nur Studentin sein, die kann nicht Professorin sein.

00:48:14: Das war die seltsame Seite von dieser Geschichte Tuba oder?

00:48:20: Ja, ich meine das ist ja die Theologische Fakultät.

00:48:23: Evangelisch Theologischen Fakulität.

00:48:26: Er hat sich vielleicht auch gewundert also... Ich sehe er auch jünger aus als mein Alter es tatsächlich ist, aber er hat glaube ich nicht vereinbaren können dass eine muslimen-efangäische Theologie studiert.

00:48:38: Also da fängt's ja schon ab.

00:48:40: Ich glaube es ist eher das

00:48:42: Aufklärung auch hier an dieser Stelle.

00:48:45: Also habe ich gesagt ich studiere hier nicht, ich leere Und dann hat er einfach nur geguckt.

00:48:56: Hat sich hoffentlich sein Weltbild ein bisschen geweitet.

00:49:00: Im Moment bedeutet es eben tatsächlich, sie dahin zu stärken die Personen sein zu wollen, die sie sein möchten und nicht eben zu reagieren auf Fremdzuschreibungen.

00:49:10: Ja, also Sie haben jetzt ja schon ganz viel erzählt von Ihrer Arbeit auch im pädagogischen Bereich mit Kindern und sie bilden ja angehende Lehrkräfte für islamische Religionsunterricht aus.

00:49:24: kommt da dieses Phänomen des Glows auch irgendwie zur Sprache bringen, dass die Studierenden dort mit.

00:49:32: Ist das da irgendwie ein Gespräch?

00:49:34: Also ich kann nur sagen sozusagen es gab nämlich auf den sozialen Medien und ich glaube immer noch gibt's diesen Jesus-Glow!

00:49:41: Ich wurde damit zum Beispiel auch sehr viel konfrontiert.

00:49:45: Genau also war das dann irgendwie auch ein Gesend.

00:49:51: Vielleicht so die Anschlussfrage lässt sich eine bestimmte Ausstrahlung überhaupt unterrichten oder verflüchtigt sie sich eigentlich, soweit man Sie zu einem Lernziehe definiert.

00:50:05: Also ich glaube, Ausstrarungen kann man nicht unterrichten!

00:50:10: Ich ... Sie liegt immer im Auge des Betrachters habe ich den Eindruck ja... Also ich kann meinen Studien nicht sagen und jetzt entwickelt er eine bestimmten religiöse Ausstahlung oder so.

00:50:19: aber Was ich aber sehr wohl tun kann, ist mit Ihnen darüber nachzudenken, wer Sie als menschen-, als gläubige Menschen eigentlich sind und wer sie werden möchten.

00:50:28: Also deshalb beginne ich in den ersten Semestern ... In meinen Seminaren, in meinem religionspädagogischen Seminar immer sehr viel mit Selbstreflektionen.

00:50:37: was bedeutet es eigentlich Muslim zu sein?

00:50:40: Was bedeutet das für dich?

00:50:42: Welcher Beziehung stehst du eigentlich zu Gott und dem Propheten?

00:50:46: Wer bin ich als Mensch?

00:50:47: Und welcher Wert möchte ich verkörpern?

00:50:49: und wie kann sich das in meinem Handeln auch als Lehrkraft zeigen.

00:50:53: Ich denke, genau hier berühren sie sich auch so Ästhetik- und Gottesdienst also Schönheit.

00:50:58: Dieses Leuchten ist dann eben kein Selbstzweck und nicht eben religiöses Dekor sondern es scheint eigentlich von innen heraus wenn jemand versucht seine Gottesbeziehung eigentlich lebendig zu leben.

00:51:17: Und was ich tun kann, ist eigentlich nur zu versuchen... Also ich versuche Menschen dabei zu begleiten, bewusster wahrzunehmen sich selbst zu verstehen und eine Haltung zu entwickeln, ob daraus dann tatsächlich ne Ausstrahlung wird weiß ich nicht.

00:51:28: also das ist etwas was ich ihnen immer wieder so mitgebe und deswegen mache ich auch so viel eigentlich zur Musik Weil die Musik da noch mal etwas aktivieren kann, eventuell was vielleicht verstaubt ist oder was noch nicht so bekannt war und dann nochmal einen anderen Zugang eben zu ihrem Glauben.

00:51:43: Zu ihrem Glaumsgefühl vielleicht auch eröffnen kann?

00:51:47: Ja gut also sehr ausstrahlung kann man nicht machen sagst du aber ihr beide Frau Tannen und Tuber Schück ihr scheint euch doch auch sehr genau zu überlegen wie ihr euch kleidet dann gibt's da vielleicht noch Schmuck.

00:52:05: Und also das ist ja auch, nicht jetzt keine Taktik von euch glaube ich, sondern in gewisser Weise ist es auch eine Institution und es fließt so ein bisschen raus.

00:52:15: Das passt jetzt zu mir wenn man spürt es aber... Ich finde das völlig legitim.

00:52:21: Ihr sagt schon doch wahrscheinlich relativ bewusst!

00:52:26: So möchte ich in der Öffentlichkeit da stehen und wahrgenommen werden, oder?

00:52:37: Also zumindest in meinem Kontext muss ich dazu sagen.

00:52:41: Ich lebe ja in einem Land das hauptsächlich christlich-jüdisch geprägt ist und ich als Muslimen eine religiöse Minderheit bin auch wenn ich es nicht möchte immer irgendwie symbolhaft repräsentativ für den Islam stehe.

00:52:56: Und aus dieser Perspektive ist es mir schon wichtig wie ich mich im öffentlichem Raum bewege.

00:53:02: Also, das ist einmal aus dieser Perspektive.

00:53:05: Zum anderen ist der Habitus einer Professorin finde ich auch noch mal sehr wichtig also dass es aus der Perspektiv weil ich eben nicht als eine Studentin wahrgenommen werden möchte.

00:53:15: also da gibt's bestimmte Zwänge einfach kulturelle Zwänge oder auch Anforderungen die an eingestellt werden wie man am besten Ja, am besten schon gekleidet sein sollte.

00:53:27: Wobei Berlin da schon ein eigener Ort für sich ist?

00:53:29: Das ist

00:53:30: schon relativ flexibel,

00:53:32: würde ich mal sagen!

00:53:33: Aber ich würde auch persönlich... Also wenn wir in Berlin sind, ich würde niemals mit einer Jeans an die Universität kommen.

00:53:41: Das schickt sich für mich beispielsweise nicht mehr.

00:53:45: Ich finde auch da kommt nochmal dieses Die Frage nach der Tugend auch wieder ins Spiel.

00:53:51: Wie bewege ich mich in bestimmten Kontexten?

00:53:53: Ich setze meinen Hut ab, wenn ich in die Kirche gebe.

00:53:56: So ähnlich ist das für mich eigentlich auch.

00:53:59: Ja also ich stimme dem auch zu, für mich ist es ein persönlicher Ausdruck.

00:54:02: Also mir macht's doch einfach Spaß.

00:54:04: so ganz einfache Antwort.

00:54:07: Mir macht es Spaß!

00:54:07: Das ist meine Persönlichkeit.

00:54:09: und also wenn ich wirklich wie jetzt nicht gut geht dann sieht man das meistens schon an indem ich irgendwie... Also, genau.

00:54:19: Es ist eine Möglichkeit für mich auszudrücken und natürlich kommuniziert man damit auch mit seiner Umwelt.

00:54:27: aber ich glaube auch, man kann gar nicht nicht kommunizieren.

00:54:29: also so das... Man tut es eben auch wenn man der Meinung ist, dass alles nicht wichtig dann kommuniziert mal eben das.

00:54:39: Kann man auch!

00:54:40: Und genau von daher ja wie ist es wichtig?

00:54:43: Ich finde aber schon nochmal Etwas, was mich jetzt auch ... Was glaub ich schon ein Unterschied ist.

00:54:50: Dass ich auch noch mal durch das Gespräch mit Ihnen mir noch mehr bewusster wird, dass eben dieses Verhandeln der äußeren Erscheinungsbilds einer muslimischen Frau in Deutschland noch viel intensiver ist als einer christlichen Frau?

00:55:08: Weil würde ich sagen natürlich kann einen Kreuz tragen oder Aber sozusagen, ich glaube die äußere Erscheinungsform ist mehr akzeptiert und wird nicht auch non-verb all die ganze Zeit so verhandelt.

00:55:24: Und ja, ich würde mir wünschen dass das sich irgendwie in Deutschland ändert und ich hoffe dass wir mit dem Podcast mehr Awareness und Akzeptanz schaffen.

00:55:34: Weil ich das einfach enorm wichtig finde, dass das nicht ein Zwang ist sozusagen sondern, dass es akzeptiert wird und auch einfach schön... Also ich ist ja auch eine Schönheit die dort zum Ausdruck kommt und dass man die auch als Schönheit verhandelt wird.

00:55:53: so

00:55:55: Ich hab da interessanterweise in den USA immer sehr schöne Erfahrungen gemacht.

00:55:59: Ich weiß noch, wie ich das erste Mal in New York war und da bin ich mit meinem Kaffee im Großen in der Hand in der Central Parkgang.

00:56:05: Ich wollte einfach die Menschen beobachten, diesen Lifestyle, diesen ganz früh am Morgen ... Ich wollte es einfach mal beobachten und sehen und saß da und hat meinen Kaffees getrunken.

00:56:15: Dann kam eine wunderschöne alte Dame mit ihrem riesengroßen Pudel auf alle Fälle, habe ich gemerkt, dass sie mich die ganze Zeit anguckt beim Nährkommen Und ich hab sie dann einfach freundlich gegrüßt mit Good Morning.

00:56:27: Dann ist sie stehengeblieben, hat mich auch gekrüst und hat dann eben gesagt ... Sie wundern sich wahrscheinlich, warum ich sie die ganze Zeit angestarrt habe?

00:56:35: Und haben gesagt ja!

00:56:38: Und sie meinte, ich habe mich die ganze zeit gefragt, ob sie Muslime sind oder orthodoxe Jödin.

00:56:43: Und dann wollte ich eigentlich antworten, dann hat sie nur die Hand gehoben so nach Motto Stopp.

00:56:50: Also sie brauchen gar nichts zu erklären.

00:56:52: It doesn't matter,

00:56:53: ja?

00:56:54: We are in New York hat's ihr gesagt!

00:56:56: Have a nice day.

00:56:57: und dann ist die einfach weitergegangen.

00:57:00: Ich mitsche mir einfach freundliche Menschen, die mich ganz normal behandeln.

00:57:04: Ja, I totally agree.

00:57:05: also ich glaube auch dass die Amerikaner eine sehr gute Eigenschaft haben das im öffentlichen Raum religiöses Leben eine größere Akzeptanz hat.

00:57:13: Also ich nehme es auch hier als wahr nicht so doll betroffen wie religiöse Minderheiten, aber mir fährt das auch enorm auf.

00:57:23: Und ich stimme Ihnen absolut zu und total...

00:57:30: Ja!

00:57:32: Tuba es gibt bei uns eine Tradition im Podcast.

00:57:37: Du wirst nicht nur gelöchert mit Fragen sondern Wir fragen dich auch, was du uns fragen willst.

00:57:45: Das ist immer aufregend weil wir da dann nicht vorbereitet sind und vielleicht rumstottern.

00:57:50: aber

00:57:51: gibt's

00:57:51: noch was?

00:57:53: Ja, auf alle Fälle!

00:57:54: Also ich mein Sie haben jetzt ganz viel eben zur Ausstrahlung zu Haltungen und Tugenden gefragt.

00:58:00: also mich würde schon interessieren gibt es aus ihrer Sicht im Christentum eine ähnliche Vorstellung davon dass sich eine bestimmte Beziehung zu Gott Irgendwann in der Art zeigt, wie ein Mensch in der Welt ist.

00:58:15: Also

00:58:15: ...

00:58:18: also in seinem Charakter und im Umgang mit anderen.

00:58:21: Ich kann das vielleicht noch kontextualisieren, dass wir Felix auch gut kennen.

00:58:26: Im Islam haben wir diese Vorstellung von Iman.

00:58:28: Der Glaube ist eigentlich immer verbunden mit Amel, also mit Handlung oder wie im Evangelischen, wo man sagt, ja, der Glaube geht immer einher mit dem Tun.

00:58:37: Mit einem Werk sozusagen.

00:58:38: Das zeigt sich!

00:58:40: Und ich würde einfach mal wissen, wie ist das für Sie?

00:58:43: Also für sie beide jeweils.

00:58:46: Spannend!

00:58:47: Frau Klan, wenn Sie schon einen Faden haben, dann knüpfen

00:58:49: Sie Ihnen

00:58:50: sonst...

00:58:51: Ja also ja, für mich gibt es das auf jeden Fall auch und zwar sagt Jesus immer dass Reich Gott ist Reich Gottes ist nahe, kehrt um und glaubt an das Evangelium.

00:59:02: Das sagt er relativ oft auch immer meistens in diesem Satz genau Und ich glaube also für mich ist es der Aufruf sozusagen in seinem Leben dieses Reich Gottes irgendwie sichtbar zu machen.

00:59:17: Also das steht immer noch aus so, das merkt man dann auch daran dass eben nicht alles die Welt ist leider nicht perfekt so.

00:59:25: es gibt Sachen an denen man die man irgendwie gerne anders hätte aber man kann sozusagen erkennen es sollte irgendwie anders sein.

00:59:33: also es sollte zum Beispiel anders sein meiner Meinung nach dass in Deutschland religiöse Minderheiten sich im öffentlichen Raum Angegangen werden.

00:59:42: teilweise sollte nicht so sein.

00:59:44: Und deswegen sozusagen kann ich jetzt sagen für mich ist es Ich empfinde das als aufrufen, mich dafür einzusetzen dass zu verändern Für unsere gesellschaft und Das würde ich sagen ist dann ein handeln was da aus sich ja Was aus meinem glauben heraus dann sozusagen hoffentlich sichtbar wird.

01:00:07: Und wofür ich mich einsetze in unterschiedlichen Bereichen, also irgendwie jetzt mit meiner Forschung durch den Podcast und neulich habe ich ein Interfaith Run hier in Maryland.

01:00:19: Das war sehr cool!

01:00:23: Da würde ich sagen gibt es auch den Aufruf sich dafür einzusetzen im Alltag, in seinem Leben, in seiner Lebenszeit.

01:00:35: Ich finde nochmal einen Begriff ein, den Muslime wirklich auch gut nachvollziehen können.

01:00:41: Weil es im Islam genauso gibt aber vielleicht ist dann manchmal doch ein bisschen anders belegt nämlich dem Begriff des Zeugnisses.

01:00:49: also Zeugnis ist ja wirklich ein tolles Wort für Glaubensleben weil der Zeuge die zeugen geht immer davon aus ich habe etwas wahrgenommen aus meiner Perspektive.

01:01:07: Und ich stehe dafür jetzt vor den anderen ein und sage, das war so-und-so... Also erst mal ist da dieser Erfahrungsaspekt also drin?

01:01:20: Und dann besteht natürlich die Gefahr dass man sagt, also ich bezeuge jetzt meinen Glauben und jeder muss es kapieren und enttäuschen, dass diese Person hier mein Zeugnis nicht angenommen hat.

01:01:32: Nee!

01:01:33: Zeugniss wird abgelegt.

01:01:37: Das heißt, ich kann das nur weil es durch mich durchfließt ja so sagen wie ich's erlebe und wie ich durch das Erlebnis geprägt bin und das bekommt dann eine Selbstverständlichkeit für mich ohne dass sich jetzt dann so demonstrativ sage bitte kapier jetzt auch was ich da dir auf die Nase binden will.

01:02:03: nein Ich lebe dieses Zeugnis aus meiner Erfahrung heraus in Freude, ohne steuern zu wollen wie du damit umgehst.

01:02:17: Genau vielleicht noch zum Abschluss haben.

01:02:19: ganz kurz was würden Sie jemanden sagen der Glauben vor allen Dingen als ja vielleicht Druck der von außen herangetragen wird also irgendwie Leistungs- und Selbstoptimierung mit religiösen Vorzeichen erlebt hat.

01:02:36: Wie kommt er da vielleicht auch raus aus diesem ja doch sehr engen Korsett des vermeintlichen religiösem Vorzeichens?

01:02:47: Was wäre dein erster Schritt, vielleicht rauszukommen?

01:02:52: Ich würde sagen versuch doch den barmherzigen Gott und der liebevollen Prophet Mohammed noch einmal ganz neu kennenzulernen!

01:03:01: ohne den Druck etwas leisten oder jemand Bestimmtes sein zu müssen.

01:03:07: Ich glaube, dass also nochmal

01:03:08: ...

01:03:10: Gott und dem Propheten noch mal so kennenzulernen.

01:03:15: Vielleicht durch eben andere Literatur, durch andere Menschen, durch weitere Kontext- und Gemeinschaften.

01:03:19: aber ein Neu kennenlernen, einen Neuanfang.

01:03:24: Ja das ist doch ein schöner Ausblick, dass es auch immer möglich ist auf der Suche bleibt nach Gott und eben nicht sagen kann, das ist er jetzt.

01:03:35: Und jetzt hab ich ihn getroffen und ... that's it!

01:03:38: Sondern es steht auch noch immer ein bisschen aus.

01:03:41: Man kann auch noch viele Seiten neu entdecken.

01:03:46: Genau, das hat eine schöne Perspektive des Ausblicks.

01:03:52: Wollten Sie noch was sagen?

01:03:53: Ich wollte jetzt nicht.

01:03:55: Ich hab das so kurz nur formuliert.

01:03:57: Ich könnte das natürlich ausweiten mit Abigutät

01:03:59: usw.,

01:04:01: sehr gerne normativ über Glaubensvorstellungen und Inhalte zum Islam, auch über Gott sprechen.

01:04:08: Aber wenn Menschen glauben erst einmal als Druck erfahren haben ... Und sie daran zweifeln, dann ist das schon mal ein guter Anfang!

01:04:17: Wenn ich zweifle und in einer Krise bin und irgendwas stimmt da nicht, also irgendetwas in meinem Herzen bewegt sich da und sagt, dass stimmt nicht, dann würde ich diese Menschen motivieren wollen tatsächlich woanders zu suchen Und da können andere Menschen, andere Literatur, andere Institutionen vielleicht auch viel behilflicher sein.

01:04:37: Dann noch mal eine andere Perspektive auf Religion und Aufglaube, auf Gott und dem Propheten zu bringen und zu eröffnen.

01:04:45: Liebe Tuber!

01:04:46: Ich wusste ja schon lange, dass es eine Entdeckungsreise ist mit dir zu unterrichten aber seit eben weiß ich auch das ist eine äußerst Ergiewege.

01:04:57: Weiterdenkenswert der Entdeckungsreise ist mit dir zu Podcasten.

01:05:01: Vielen Dank!

01:05:03: Also ich bedanke mich ganz herzlich bei Ihnen beiden, das waren wundervolle Fragen, die mich auch selber noch mal zum Nachdenken gebracht haben und zum Weiterdenken.

01:05:14: Und es war sehr amüsant und wirklich sehr bereichernd.

01:05:17: Vielen vielen Dank für die Einladung.

01:05:22: Alles klar?

01:05:24: Ja, ich fand es ein sehr, sehr tolles Gespräch.

01:05:32: Was ich besonders mitnehme, das habe ich auch glaube ich schon podcast gesagt.

01:05:36: Einfach als Auftrag weil ich es sehr nachvollziehen kann aber auch nachfühlen kann.

01:05:43: Ich glaube das ist mir klar mit Ausrufezeichen und kein Fragezeichen.

01:05:49: Das eben besonders denke ich muslimische Frauen ständig im öffentlichen Raum verhandelt werden Und dass man sozusagen als Bürger in Deutschland sich darüber bewusst sein sollte und sein Bewusstsein schärfen sollte, mich einbeschlossen.

01:06:09: Ich fand das einfach sehr spannend, dass sie das als Kategorie so hervorhebt weil ich gemerkt habe... gar nicht so gleich nennen.

01:06:19: Aber dass es so präsent ist, zeigt mir wie viel ... was für ein Thema ist und wie stark sie das beschäftigt?

01:06:26: Und das nehme ich sehr stark mit, dass eben sozusagen diese öffentliche Sichtbarkeit, ob es jetzt im Blau in der Ausstrahlung, in der Musik oder in der Kunst nonverbal verhandelt wird und wenn es um eine Person geht Hat man da noch mal eine andere Verantwortung, finde ich.

01:06:45: Und das nämlich sehr stark mit...

01:06:47: Der kurze Nachfragefroht an die muslimische Frauen werden verhandelt.

01:06:55: Können Sie das Wort sie werden verhandelt nochmal erklären?

01:06:58: Heißt es, man redet über sie oder man möchte sich einen Urteil dazu bilden?

01:07:04: Oder was bedeutet es, wie sie werden vorhandelt?

01:07:08: Genau, jedes sollte ich noch mal erklären.

01:07:11: Also ich habe es so verstanden dass sie wenn einfach diese Thematik das sie ganz oft sozusagen auf ihr Äußeres angesprochen wird in ganz vielen Situationen und das nicht immer nur positiv ist sondern immer eine Anfrage an Sie stellt und genau das ist ja einer Form von Verhandlung ihres öffentlichen Auftretens dass sozusagen verhandelt wird.

01:07:42: Und das, finde ich ist einerseits natürlich auch interessant wenn es Interesse weckt beim Gegenüber.

01:07:47: aber die Frage ist natürlich wie wird dieses Interesse geweckt und kommuniziert?

01:07:52: Ich glaube Interesse ist total gut aber sollte aus meiner Perspektive eben wertschätzend geschehen und nicht den anderen degradieren.

01:08:02: Und genau deswegen ist verhandeln, glaub ich.

01:08:05: Einer Verhandlung ist ja ein offener Ausgang.

01:08:07: Man weiß doch nicht, bevor man in eine Verhandlungen geht wie es ausgeht und was mir besonders klar geworden ist das glaube ich muslimische Frauen in der Öffentlichkeit eben leider viele glaube ich Erfahrungen machen die nicht positiv für sie ausgehen und deswegen finde ich sollte man sich vielleicht behutsam und besonnen also das Wort hatte sie auch verwendet in also eine Verhandlung begeben.

01:08:35: Und was ist Ihnen besonders klar geworden?

01:08:37: oder wo es vielleicht noch ne Frage, oder genau?

01:08:43: Das eine ist mir wurde nochmal sehr schön deutlich wie wichtig das für Tubaischek ist dass sie des Christentum so gut kennt.

01:08:57: Sie war ja schon auf einer Schule die katholische Ordensfrauen Betrieben haben, hat also von früh an in Mainz, wenn ich mich richtig erinnere, so katholisches Leben mit all seinen Ausdrucksformen erlebt.

01:09:17: Sieht es mit Interesse?

01:09:18: Sieht das mit Hochachtung und fragt sich dann wie können wir muslime Ausdrucksform finden obwohl wir nun manche Dinge bewusst nicht haben ja keine Musikinstrumente im rituellen Gottesdienst, keine Bilder von zumindest einer Darstellung des Gesichts von Mohammed und so.

01:09:45: Also sie lernt vom Christentum ganz positiv und vermittelt dann die Bilder und Melodien und Texte und Eindrücke bis zu den Gerüchen, könnte man gerade so sagen.

01:10:06: Die schöne Schrift die Calligraphie auch deswegen weil sie eben angeregt ist von der katholischen Ausdrucksfülle gefiel mir sehr wie man das da spüren konnte als sie das berichtete und es wurde mir eigentlich erst als ich es erzählte so richtig klar.

01:10:29: Das andere ist noch sagt, wir müssen über diese Eindrücke die wir aus den ästhetischen Erfahrungen haben auch reden.

01:10:44: Das hat mich sogar erst ein bisschen verwundert denn es ist doch manchmal auch sehr künstlich wenn die Leute nachdem sie einen Konzert gehört haben dann alle noch irgendwie Tagzebzehn analysieren müssen oder so.

01:10:56: also das kann ja auch leicht zerredet werden.

01:11:00: aber mir wurde schon klar Kinder malen lässt und dann vielleicht auch die Kinder das erste Mal dazu bringt, von ihren Ängsten oder irgendwelchen Abgründen zu reden.

01:11:14: Wie wichtig!

01:11:16: Das ist dass man über die imästhetischen Erleben auftauchenden Erinnerungen und Bilder dann doch auch zu reden beginnt und zumindest dafür ein Raum eröffnet.

01:11:47: Also mein Wort ist wieder mal ein Adjektiv.

01:11:51: Ich mache hier so ganz kleine Wörter, auf die man vielleicht gar nicht so achtet und das ist so ein Wort von dem er aufgefallen ist als ich einen englischen Artikel schrieb.

01:12:02: es gibt keinen gutes englisches Entsprechungswort.

01:12:07: Also mein Wort heißt weiterführend, also da bringt der Autorsohn so eine weiterfühlende Beobachtung oder kommt noch ein weiterführender Gedanke.

01:12:24: Da sagt man auf Englisch dann einfach helpfull ist ja auch ein schönes Wort.

01:12:28: aber weiterführen dass man durch ein Gedanken noch mal in eine ganz neue Entdeckungswelt geführt wird.

01:12:37: Ja, das finde ich wirklich sehr spannend und ich versuche auch seitdem ich gemerkt habe was es für ein schönes Wort ist selber mit dem was ich sage und wie ich unterrichte möglichst weiterführend zu sein.

01:12:57: Tolles Wort also gefällt mir sehr gut.

01:13:01: Sollte ich auch öfter meinen Wortschatz aufnehmen?

01:13:04: Das ist wirklich schön.

01:13:06: Ich habe kein Adjektiv, ich sei mir auch treu.

01:13:11: Mein Wort des Monats ist Schein und genau da hab' ich jetzt ein bisschen was drin einmal.

01:13:19: Habe ich mir mal angeschaut wo kommt Schein eigentlich her?

01:13:24: Es kommen vom Althochdeutsch Skinnamen.

01:13:26: Scheinen Althochdeutschen Wort stecken schon zwei Bedeutungen drin, und zwar leuchten und erscheinen.

01:13:41: Also das heißt so aussehen als ob... Und diese Doppeldeutigkeit will ich damit sozusagen verdeutlichen ist nicht neu sondern die gibt es sogar schon über Althoachdeutsch'en und das heißt sozusagen Doppeldäutigkeit.

01:13:57: Wir haben viel über den Blow gesprochen, ist jetzt nicht nur immer ein Ergebnis der oberflächlichen Gegenwart.

01:14:03: Sondern das steckt sogar schon in diesem althochdeutschen Wort selbst und man kennt ja auch diesen Ausspruch mehr Scheinen als Sein.

01:14:12: Also es ist nicht nur so ein moderner Verdacht gegen die vor allen Dingen sozialen Medien wo's auch viel um Selbstinszenierung geht aber nicht nur sondern das Wort hilft uns also freizulegen, dass diese Doppel-Deutigkeit schon in der althochdeutschen Sprache angelegt war und das Licht und vielleicht auch manchmal Täuschung aus derselben Wurzel kommen können.

01:14:38: Und jetzt noch einen kurzen Gedanken, warum ich mich für Schein entschieden habe?

01:14:41: Weil es gibt ja den Heiligenschein... Der Heiligenstein ist ja in der christlichen Tradition uns gut bekannt Und zwar kennen wir den aus der Kunstgeschichte, wenn Personen die sozusagen das in ihrem Leben besonders gut oder wo die Kirche meint dass sie irgendwie besonders gut Jesus nachgefolgt sind im Taten und Worten dann bekommen die so einen heiligen Schein ganz oft auf so Bildern.

01:15:17: Genau, das fand ich irgendwie ganz spannend.

01:15:19: Da steckt ja auch schon das Wort Schein drin.

01:15:22: und

01:15:24: Ja aber eigentlich ist es etwas was die Christen damals gar nicht neu erfunden hatten sondern Das Christum hat sich in der römischen Zeit sozusagen auch ausgebreitet und stand so ein bisschen auch im Konkurrenz Damals mit den Römern.

01:15:39: und bei den Römern gab es einen Kaiserkult Und die christen wollten immer diesen kaiserkult nicht machen.

01:15:45: oder gab sie dann ein bisschen auseinandersetzung, wie sie

01:15:51: in dieser

01:15:52: Kultur sich behaupten.

01:15:55: Und ja und das Spannende ist dass die Damen in der Kunstgeschichte die Darstellungen vom Kaiser, die hatten auch so einen, ich würde jetzt nicht sagen Heiligescheins aber man kann es so Nimbus nennen

01:16:06: d.h.,

01:16:07: die hatten um ihre Macht sozusagen nach außen darzustellen Heiligenschein, aber jetzt Nimbus.

01:16:17: Und der Clou ist aber dass dieser sozusagen Kaiser ein weltlicher Herrscher eben damit nach außen seine Macht ganz klar allen kommunizieren wollte und sagen wollte so ich bin jetzt hier der Kaiser ihr müsst hier euren Kaiserkult leisten und das kommuniziere euch jetzt nach außend.

01:16:36: Und ich würde aber sagen, der heiligen Schein hat eigentlich eine andere Bedeutung.

01:16:39: Da geht es jetzt natürlich auch um die Kommunikation innerhalb der Christen nach außen, dass das eine persönliche, eine wichtige Persönlichkeit war.

01:16:48: Aber dieses Scheinen kommt dort eigentlich von innen und es ging bei diesen Personen in ihrem Leben – in ihrer aktuellen Lebenszeit nicht darum allen anderen ständig zu zeigen, dass sie so viel Macht haben.

01:17:02: Und sondern ganz im Gegenteil das waren ganz oft Menschen die eben sozusagen dann im Nachhinein mit diesem heiligen Schein ausgezeichnet worden sind und man ihnen den zugeschrieben hat weil sie von innen gescheinen haben.

01:17:18: und genau das ist eine andere Scheinrichtung und deswegen finde ich das scheiden spannend.

01:17:29: In Ankara hat mich mal ein Theologiestudent gefragt, er schreibt jetzt über christliche Heilige und was ist denn ein Heiliger?

01:17:42: Und da habe ich gesagt ja das sind die durch die der Himmel schon durch scheint.

01:17:50: Da ist auch diese Ja.

01:17:52: Die Idee vom Schein drinnen.

01:17:55: und wenn dann der Heiligen Schein auf den alten Darstellungen golden ist, wie auch der Hintergrund vor heiligen Bildern himmlisch gold ist, dann passt das ganz gut.

01:18:07: Vielen Dank für das schöne Wort von Schein mit seinen Abgründen nur scheinbarer nämlich falsch oder?

01:18:16: Das Licht, das von innen strahlt.

01:18:20: Vielen dank!

01:18:23: bleibt uns nichts weiteres, als euch alles Gute zu wünschen und bis zum nächsten Glauben.

01:18:31: Und glauben Sie nicht alles was man Ihnen sagt!

01:18:35: Das war die neue Folge von Alles Glaubem.

01:18:38: wir hoffen ihr konntet etwas für euch mitnehmen wenn euch diese folge gefallen hat.

01:18:42: abonniert gerne den podcast und eine richtig große freude machte uns wenn ihr diesen podcast mit fünf Sternen bewertet Letzten Dienstag im Monat.

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